Trotz eines Angriffs unbekannter Schützen haben Chemiewaffen-Inspekteure der Vereinten Nationen die Ortschaft Moadhamijat al-Scham im Umland von Damaskus besucht. Sie suchen dort nach Beweisen für einen Einsatz chemischer Waffen. In der Gegend sollen am vergangenen Mittwoch viele Menschen ums Leben gekommen sein. 

Das Expertenteam besuchte in dem Ort südwestlich der Hauptstadt ein Krankenhaus des Roten Halbmonds. Die UN-Experten sprachen mit Ärzten, wie der Aktivist Abu Nadim sagte. Auf ihren Facebook-Profilen veröffentlichten Regimegegner Videos des Besuchs , die zeigen, wie blau behelmte Männer in Schutzwesten auf Pritschen liegende Personen untersuchen und mit anderen Männern sprechen.

Die Inspektoren sind in dem Bürgerkriegsland, um herauszufinden, ob in den Kämpfen der vergangenen Woche Giftgas eingesetzt wurde . Sie waren am Morgen nach Muadamijat al-Schams aufgebrochen. Dort und und in weiteren Orten der Region Ghuta östlich von Damaskus sollen bei einem angeblichen Chemiewaffen-Einsatz mehr als 1.300 Menschen getötet worden sein. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte mitgeteilt, ihre Mitarbeiter hätten 355 Tote mit "neurotoxischen Symptomen" gezählt.

Auf ihrem Weg wurden die Inspektoren von Heckenschützen beschossen . Nach Angaben der UN fielen die Schüsse in einer Pufferzone zwischen den von Rebellen und Regierungstruppen kontrollierten Teilen von Damaskus. Wer auf sie feuerte, ist unklar. 

Die Unbekannten hätten mehrfach auf das Fahrzeug der Inspekteure geschossen, sagte ein UN-Sprecher. Weil das Auto nicht mehr benutzbar gewesen sei, sei die Gruppe zum Regierungsstützpunkt zurückgekehrt. Es sei niemand verletzt worden.

Ein Gegner des Regimes schilderte, regierungstreue Milizen hätten das Feuer eröffnet. "Sie wollen verhindern, dass die Inspekteure zu uns kommen", sagte ein Revolutionär, der nach eigenen Angaben am Ortseingang von Moadhamijat al-Scham auf die Ankunft der UN-Mitarbeiter wartete.

Rebellen und die Regimeführung von Staatschef Baschar al-Assad werfen sich gegenseitig vor, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Wegen dieser Eskalation des Konfliktes wird etwa in den USA , Großbritannien und Frankreich über einen Militäreinsatz diskutiert . Die USA hatten vor einiger Zeit den Einsatz solcher Waffen als "rote Linie" bezeichnet.