Pavlos Fyssas heißt das vorerst letzte Opfer rechtsextremer Gewalt in Griechenland. Der linke Rapper wurde abgestochen vor einem Café im Athener Arbeiterviertel Keratsini, nach einem Streit über Fußball. Der Täter ist der 45-jährige Giorgos Roupakias, ein Mitglied der neonazistischen Goldenen Morgenröte, auf Griechisch: Chryssi Aygi. Er ist ein Mann, dessen Geschichte eindrücklich zeigt, wie mit der Wirtschaftskrise rechtsextremes Gedankengut immer tiefer in die griechische Gesellschaft eindringt – und Staat und Öffentlichkeit offenbar unfähig sind, sich dagegen zu wehren.

Der Aufstieg der extremen Rechten ist Alltag geworden in Europa. Die Auswirkungen sind besonders in jenen Länder zu spüren, die von der Sparpolitik am härtesten getroffen sind. Und Griechenlands Wirtschaft darbt seit Jahren. Bei Umfragen erreichen die Neonazis mittlerweile 13 Prozent, nachdem sie im vergangenen Jahr bei den Parlamentswahlen mit 6,9 Prozent ins Parlament eingezogen waren und dort seitdem mit 18 Sitzen vertreten sind.

Zwar existiert die Bewegung bereits seit 1985 und ist seit 1993 als Partei registriert. Doch noch im November 2011 erreicht die Goldene Morgenröte in Umfragen nicht mehr als ein Prozent. Dann folgte der entscheidende Moment: Die mediale Berichterstattung konzentriert sich in der Krise auf illegale Einwanderer, die als Bedrohung für Griechenland dargestellt werden. Die Partei findet zum ersten Mal eine größere Plattform.

Suppenküchen nur für Griechen

Anfang 2012 wird die Morgenröte dann zum Gegenpart der linken Syriza, die zur gleichen Zeit am anderen Ende des politischen Spektrums an Popularität gewinnt. Goldene Morgenröte nutzt ihre Chance – und zieht mit einer Rhetorik, welche die Sparpolitik der Regierung verdammt, Massen an sich.

Auch Roupakias soll laut Freunden nicht immer ein Unterstützer der Goldene Morgenröte gewesen sein, wie die griechische Wochenzeitung To Vima berichtet. Früher hätte er andere Parteien unterstützt und als Fischhändler und LKW-Fahrer für eine Öl-Firma gearbeitet. Doch die Krise und die Chance auf zusätzliches Einkommen durch die Arbeit für Goldene Morgenröte soll ihn schließlich an die Partei gebunden haben. In Suppenküchen, zu denen nur Griechen Zutritt haben, soll Roupakias regelmäßig gearbeitet haben.

Doch was erklärt die immer größere Popularität der Rechten? Es ist der chronisch korrupte Staatsapparat, die harten Sparmaßnahmen und die populistische Hetze gegen Migranten. Der Goldenen Morgenröte ist es gelungen, die öffentliche Wut für ihre Zwecke zu nutzen. Sie schlägt Kapital aus der Tatsache, dass ihre Mitglieder nie Teil einer griechischen Politik waren, die dazu beigetragen hat, dass in Griechenland der korrupteste Staatsapparat Europas entstehen konnte.