Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland haben sich mit dem Iran auf neue Verhandlungen zur Lösung des Atomstreits verständigt. Die nächste Gesprächsrunde werde am 15. und 16. Oktober in Genf stattfinden, teilte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton mit, die den 5+1-Prozess koordiniert. Der Iran bekräftigte am Rande der UN-Vollversammlung in New York seine Absicht, innerhalb eines Jahres die internationalen Bedenken gegen sein Atomprogramm ausräumen zu wollen.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und sein US-Kollege John Kerry trafen zu einem historischen Vier-Augen-Gespräch zusammen.

Der US-Außenminister stellte dem Iran bei einer vollen Zusammenarbeit eine schnelle Lockerung der Sanktionen in Aussicht. Wenn die Regierung in Teheran etwa ihre Atomanlage in Fordo für internationale Kontrollen öffne und die Herstellung von hochangereichertem Uran stoppe, könnten die Strafmaßnahmen binnen Monaten abgemildert werden, sagte Kerry dem US-Sender CBS . Auf die Frage, ob eine Einigung, wie von Irans Präsident Hassan Ruhani in Aussicht gestellt, in drei bis sechs Monaten erfolgen könne, antwortete Kerry: "Natürlich, das ist möglich."

Allerdings machte er auch deutlich, dass alles von der Kooperation der Iraner abhänge. "Die Vereinigten Staaten werden nicht die Sanktionen aufheben, bis klar ist, dass ein sehr überprüfbarer, rechenschaftspflichtiger, transparenter Prozess besteht, bei dem wir genau wissen, was der Iran mit seinem Programm machen wird", sagte er.

Kompromiss auch umsetzen

Die EU-Außenbeauftragte Ashton sagte, alle Beteiligten hätten den Willen zu raschen Fortschritte bekundet. Der britische Außenminister William Hague schwärmte nach dem Treffen, das Gespräch mit Sarif sei in Ton und Geist "extrem gut" verlaufen. Als besonders positives Zeichen wurde das Treffen zwischen Kerry und Sarif gewertet. Beide schüttelten sich, nach mehr als 30 Jahren ohne diplomatische Beziehungen, erstmals die Hand.

Nach Angaben Kerrys legte Sarif einige Vorschläge auf den Tisch, was erfreulich sei. Ein gutes Treffen und ein neuer Ton änderten aber nichts an der Tatsache, dass noch viele Fragen beantwortet werden müssten, schränkte Kerry ein. "Es gibt noch viel Arbeit zu erledigen." Ein US-Vertreter sagte, Sarif habe vorgeschlagen, dass man sich innerhalb eines Jahres nicht nur auf eine Lösung verständigen, sondern diesen Kompromiss auch in einem Jahr umsetzen sollte.

Direkte Gespräche zwischen Regierungsvertretern beider Länder sind äußerst selten, weil die USA und der Iran seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten.

Iran zeigt sich kompromissbereit

Irans Außenminister sprach von "substanziellen und sehr konstruktiven" Gesprächen. Er wolle die internationale Gemeinschaft davon überzeugen, dass sein Atomprogramm nicht der Entwicklung einer eigenen Atomwaffe diene. "Jetzt müssen wir sehen, ob wir unsere positiven Worte mit seriösen Taten bestätigen, damit wir voranschreiten können", sagte er. Die gegen Iran verhängten Sanktionen sollten im Gegenzug so schnell wie möglich aufgehoben werden.

Der ebenfalls noch in New York weilende iranische Präsident Hassan Ruhani sagte: "Meine Regierung wird nichts unversucht lassen, um eine beiderseitig akzeptable Lösung zu finden."

Die Atomgespräche mit dem Iran laufen mit etlichen Unterbrechungen bereits seit 2006. Der Westen und einige andere Staaten verdächtigen das Land, am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran bestreitet dies und sagt, ihm gehe es lediglich um die friedliche Nutzung der Atomkraft.

US-Präsident Barack Obama billigte dem Iran dieses Recht bei seiner jüngsten Rede vor den Vereinten Nationen zu. Er forderte Präsident Ruhani aber auch auf, seinen Worten nun Taten folgen zu lassen.

Die jüngsten Atomverhandlungen im April im kasachischen Almaty waren ohne Ergebnisse geblieben. Der im Juni gewählte neue iranische Präsident Ruhani nährte mit moderaten Tönen zuletzt aber Hoffnungen auf ein Ende der Konfrontation zwischen Teheran und dem Westen.