Der gestürzte chinesische Spitzenpolitiker Bo Xilai ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Vier Wochen nach dem Korruptionsprozess verkündete das Volksgericht in der ostchinesischen Stadt Jinan am Sonntag den Schuldspruch wegen Bestechlichkeit, Unterschlagung und Amtsmissbrauchs . Das Urteil gegen den 64-Jährigen fiel höher aus als allgemein erwartet. Das Gericht verfügte auch die Beschlagnahmung des gesamten Besitzes des Ex-Politbüromitglieds.

In dem Urteil hieß es, Bo Xilai habe "vorsätzlich" gehandelt. Er habe Bestechungsgelder in Höhe von 20,44 Millionen Yuan (etwa 2,4 Millionen Euro) angenommen, meldete die Staatsagentur Xinhua . Seine Darstellung, ein später widerrufenes Geständnis bei den ersten Ermittlungen nur unter Druck abgegeben zu haben, wies das Gericht zurück.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem ehemaligen Mitglied des einflussreichen Politbüros der Kommunistischen Partei in ihrem Schlussplädoyer "äußerst schwerwiegende" Vergehen vorgeworfen und "keine mildernden Umstände" erkannt. Damit hätte dem 64-Jährigen theoretisch die Todesstrafe gedroht. Bo hatte während der Verhandlung Fehler zugegeben, die Hauptvorwürfe aber stets zurückgewiesen.

Bos Frau Gu zu Todesstrafe auf Bewährung verurteilt

Der einstige Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing hatte die Vorwürfe bestritten. Das Staatsfernsehen berichtete, es sei "sehr wahrscheinlich", dass er Berufung einlegen werde. Kritische chinesische Beobachter gehen angesichts der mangelnden Unabhängigkeit der Gerichte in China aber davon aus, dass das Urteil in der nächsten Instanz nicht verworfen werden dürfte.

Auslöser der Affäre um Bo waren Enthüllungen eines engen Vertrauten und Polizeichefs über den Mord seiner Frau Gu Kailai an dem befreundeten britischen Geschäftsmann Neil Heywood . Die Staatsanwaltschaft hatte Bo daraufhin Korruption und Unterschlagung in einem Umfang von umgerechnet rund 3,3 Millionen Euro und die Vertuschung des Mordes vorgeworfen. Seine Frau Gu war bereits im August 2012 zu einer Todesstrafe auf Bewährung verurteilt worden, was meist in lebenslange Haft umgewandelt wird.

Die Kommunistische Partei will mit dem Schuldspruch den größten Skandal ihrer jüngeren Geschichte abschließen. Der einstige Politstar, der gute Aussichten auf einen Aufstieg in die neue Führungsspitze hatte, war im März 2012 gestürzt worden. Das Politbüro schien anfangs gespalten über den Umgang mit Bo Xilai. Der Sohn eines legendären Revolutionsführers, der zu den "Acht Unsterblichen" der Partei gehörte, genießt gerade unter linken Kräften der Partei noch großen Rückhalt.