Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hat mehr Schutz für Menschen gefordert, die so wie er die Öffentlichkeit über zweifelhafte Geheimdienstpraktiken unterrichten wollen. Bei einer Anhörung des Europaparlaments in Brüssel wurde eine Erklärung Snowdens von der US-Anwältin Jesselyn Radack verlesen, die mehrere Whistleblower vertritt.

In der Erklärung schreibt Snowden: "Die Überwachung ganzer Bevölkerungen statt Einzelpersonen droht zur größten Gefahr unserer Zeiten für die Menschenrechte zu werden". Eine Kultur der Geheimhaltung hindere die Gesellschaften daran, "über die angemessene Balance zwischen dem Menschenrecht auf Privatsphäre und dem Interesse der Regierung an Ermittlungen zu entscheiden". Die Entscheidungen könnten demnach nur nach einer umfassenden, informierten und angstfreien Debatte getroffen werden, schreibt Snowden.

Eine öffentliche Debatte sei nicht ohne öffentliches Wissen möglich, heißt es in der Erklärung weiter. "Und in meinem Land haben jene, die öffentliches Wissen in die Hände der Öffentlichkeit zurückgelegt haben, dafür mit Strafverfolgung und Exil bezahlt." Der ehemalige Geheimdienstler schreibt, dass es bei seinem Jobantritt bei der NSA sein einziges Ziel gewesen sei, "diese Debatte zu ermöglichen, die wir hier in diesem Parlament und in anderen Parlamenten auf der ganzen Welt erleben". Weiter fordert Snowden: "Wir müssen bessere Kanäle für Menschen mit Gewissen schaffen, die nicht nur vertrauenswürdige Regierungsvertreter, sondern auch unabhängige Vertreter der Öffentlichkeit außerhalb der Regierung informieren möchten".

Snowden, der die Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA publik machte, lebt derzeit in Russland im Exil.