Die seit dem Jahr 2010 inhaftierte iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Aktivistin sei begnadigt und freigelassen worden , berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna. Neben ihr seien auch andere Gefangene freigekommen, die nach den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Jahr 2009 inhaftiert worden waren. Der ist vor wenigen Wochen abgelöst worden durch den als gemäßigt geltenden Präsidenten Hassan Ruhani .

Im vergangenen Jahr war Sotudeh in Abwesenheit mit dem Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet worden . Die Mutter zweier Kinder hatte sich vor ihrer Festnahme im September 2010 im Iran vor allem für die Rechte der Frauen und gegen die Todesstrafe eingesetzt. Anfang 2011 wurde sie zu elf Jahren Haft verurteilt – unter anderem wegen "Angriffs auf die nationale Sicherheit" und "Propaganda gegen die Staatsführung".

Gegen die damals 45-jährige Sotudeh war auch ein 20-jähriges Berufs- und Ausreiseverbot verhängt worden. Sie war Mitglied im Zentrum der Verfechter der Menschenrechte, einer Gruppe der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi .

Eine Stunde nach ihrer Freilassung erklärte Sotudeh: "Sie sagten mir, dass mein Urlaub genehmigt worden sei. Aber als ich dann an der Gefängnistür war, sagte man mir: 'Du bist frei'." In einem Interview der International Campaign for Human Rights in Iran sagte sie außerdem, dass auch die anderen Rechtsanwälte bald freigelassen werden sollen, "weil deren Inhaftierung das Resultat einer strengen Politik war und grundlos veranlasst wurde".

Sotudeh kam Anfang September 2010 bereits in Gewahrsam, da sie minderjährige Straftäter in Todeszellen und Oppositionelle vertrat, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 festgenommen worden waren.

Nach den Massendemonstrationen wurden damals Journalisten, Menschenrechtsvertreter, Anwälte und politische Gegner der Regierung zu Haftstrafen verurteilt. Gegen Hunderte Demonstranten verhängten Gerichte lange Gefängnisstrafen. Einige wurden auch zum Tode verurteilt.

Die Begnadigung könnte auf eine liberalere Politik des neuen Präsidenten Ruhani zurückgehen. Der versicherte gleichzeitig, sein Land werde keine Atomwaffen bauen. Iran werde niemals Nuklearwaffen entwickeln, berichtete der US-Fernsehsender NBC nach einem Interview mit dem Staatschef.