Pakistan hat das ranghöchste inhaftierte Mitglied der afghanischen Taliban aus der Haft entlassen. Die Freilassung von Mullah Abdul Ghani Baradar solle zum Friedensprozess in Afghanistan beitragen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Bis zu seiner Festnahme 2010 war Baradar der Stellvertreter von Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar gewesen. Er ist laut BBC einer der vier Männer, die 1994 die Taliban-Bewegung in Afghanistan gründeten.

Die pakistanische Regierung hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, Baradar freizulassen, wollte ihn allerdings nicht an Afghanistan überstellen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte bei Gesprächen in Islamabad im August Baradars Freilassung gefordert.

Baradar war 2010 bei einer gemeinsamen Aktion mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA im südpakistanischen Karatschi festgenommen worden. Afghanische Behördenvertreter behaupteten damals, er habe geheime Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul geführt. Mit seiner Festnahme wolle Islamabad den Verhandlungsprozess sabotieren oder zumindest beeinflussen, lautete der Vorwurf aus Kabul. Beide Regierungen haben einander in mehreren Fällen eine Mitschuld an islamistischen Gewalttaten gegeben.

Pakistan hat bereits 2012 mindestens 33 Taliban-Häftlinge auf Wunsch der afghanischen Regierung freigelassen. Mit der Freilassung von Mullah Abdul Ghani Baradar will die pakistanische Regierung den stockenden Friedensprozess zwischen der Führung in Afghanistan und den Aufständischen in Gang bringen. Die afghanische Regierung strebt Friedensverhandlungen mit den Taliban an und hofft, dass die Freilassung inhaftierter Kämpfer zu einem Erfolg beitragen kann.