Erstmals seit dem Sturz des Schahs im Jahr 1979 haben die Staatschefs der USA und des Irans direkt miteinander gesprochen: US-Präsident Barack Obama und sein iranischer Amtskollege Hassan Ruhani führten am Freitag ein 15-minütiges Telefonat. Bei dem Gespräch ging es vor allem um die Beilegung des Streits um das iranische Atomprogramm.

Obama sagte, er habe in dem Gespräch seine kürzlichen Äußerungen in New York bekräftigt, denen zufolge er glaube, "dass wir eine umfassende Lösung erzielen können". Dabei seien sich beide Seiten der Herausforderungen bewusst, die vor ihnen lägen. Obama zufolge habe Ruhani angedeutet, dass der Iran niemals Atomwaffen entwickeln werde. Er selbst, Obama, habe klar gemacht, dass die USA das Recht des iranischen Volkes auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie respektierten. "Ich glaube, dass es eine Grundlage für eine Lösung gibt", fügte der US-Präsident hinzu.

Nach Angaben von US-Sicherheitsberaterin Susan Rice sei das Gespräch "herzlich" und "konstruktiv" verlaufen. Die Initiative sei von iranischer Seite ausgegangen. Demnach befand sich Ruhani, der sich zur UN-Generaldebatte in New York aufgehalten hatte, gerade mit seiner Staatskarosse auf dem Weg zum Flughafen, als das Gespräch stattfand.

Politische Beobachter werten das Telefonat als historisch, ist es doch der erste direkte Kontakt zwischen den Spitzen beider Staaten. Seit 1980 unterhalten die USA und Iran keine offiziellen Beziehungen mehr. Damals hatten Anhänger von Ayatollah Chomeini die US-Botschaft in Teheran 444 Tage lang besetzt und 52 US-Bürger als Geiseln genommen. Die Führung in Teheran titulierte die USA in der Folge als "Großen Satan", der frühere US-Präsident George W. Bush ordnete den Iran auf einer "Achse des Bösen" ein.

"Have a nice day" und "Chodahafes"

Nun gibt es auch seitens des Irans optimistische Äußerungen ob der künftigen Zusammenarbeit. "Beide Präsidenten beauftragten ihre Außenminister, auf Kooperationsmöglichkeiten hinzuarbeiten", wusste Irans staatliche Nachrichtenagentur Islamic Republic News Agency zu berichten. Dabei ging es nicht nur um eine "schnelle Lösung für das nukleare Problem", sondern auch um mögliche Lösungen zu weiteren Angelegenheiten sowie regionalen Kooperationen.

Amir Mohebbian, ein politischer Berater mit Verbindungen zu Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei, bedankte sich für die positive Geste. Es sei eine "höfliche Verabschiedung" gewesen. Nach dem Treffen der Außenminister der beiden Länder, Mohammad Javad Zarif und John Kerry, habe er ein baldiges Gespräch kommen sehen.

Noch vor der öffentlichen Erklärung des iranischen Präsidentenamts und noch bevor Obama im Weißen Haus mit der Nachricht vor die Presse trat, informierte ein Vertrauter Ruhanis per Twitter über das Gespräch. Dem Tweet zufolge hätten sich beide Politiker per Dolmetscher unterhalten und sich dann in der jeweiligen Landessprache voneinander verabschiedet. Ruhani habe gesagt: "Have a nice day!" ("Einen schönen Tag noch!") – Obama habe geantwortet: "Thank you. Chodahafes" (Persisch für "Auf Wiedersehen"). 

Das Weiße Haus erklärte, die Twitter-Meldungen gäben akkurat das Telefongespräch wider. Auf Ruhanis Twitter-Konto erschien später noch ein Foto, das ihn mit einem strahlenden Lächeln "nach einem historischen Telefongespräch mit @BarackObama" zeigen soll.

Iran soll Computer der US-Marine gehackt haben

Unterdessen berichtet das Wall Street Journal , dass der Iran während der vergangenen Wochen Computer der US-Marine gehackt habe. Die Zeitung, die sich auf Angaben von US-Regierungsbeamten berief, sprach von einer "Eskalation iranischer Cybereingriffe", die das US-Militär im Visier hätten. 

Die Cyberattacken seien von Hackern gemacht worden, die direkt für die iranische Regierung arbeiteten, oder von einer Gruppe, die mit Zustimmung der iranischen Führung gehandelt habe, zitierte die Zeitung die US-Beamten. Demnach war das gehackte Computer-Netzwerk aber nicht geheim. Die Beamten glaubten nicht, dass Informationen von bedeutendem Wert gestohlen worden seien.