Der zu zehn Jahren Haft verurteilte chinesische Dissident Shi Tao ist 15 Monate vor Ablauf seiner Strafe vorzeitig entlassen worden. Der kritische Journalist wurde verhaftet, nachdem Yahoo seine Daten an die chinesischen Polizeibehörden weitergegeben hatte.

Shi hatte kritisch über die blutige Niederschlagung der Tiananmen-Proteste von 1989 berichtet. Der Grund für seine vorzeitige Entlassung ist bisher unbekannt, sagte die Londoner Schrifttellervereinigung PEN International, die sich weltweit für die Meinungsfreiheit einsetzt.

Der Journalist hatte im Internet eine Verordnung veröffentlicht, in der die chinesischen Behörden Medienberichte zum Jahrestag der Demokratiebewegung verboten. Sicherheitskräfte hatten die Proteste 1989 gewaltsam niedergeschlagen. Laut PEN sagte Shi, er sei in der Haft "verhältnismäßig gut" behandelt worden.

Yahoo gab auch in anderem Fall Daten weiter

Der Fall erinnert an das Schicksal des "Cyber Dissidenten" Wang Xiaoning, der vor rund einem Jahr aus zehnjähriger Haft entlassen worden war. Wang war 2002 inhaftiert und ein Jahr später wegen Untergrabung der Staatsmacht verurteilt worden, nachdem die Behörden ihn durch Informationen von Yahoo als Autoren von regierungskritischen Essays im Internet ausfindig gemacht hatten.

Für Yahoo war der Fall ein PR-Desaster. Das Unternehmen musste deshalb dem US-Kongress Rede und Antwort stehen und entschuldigte sich später für die Weitergabe der Informationen. Gleichzeitig erklärte die Firma aber, dass die in Hongkong ansässige Yahoo Holdings in China zur Weitergabe der Informationen verpflichtet gewesen sei.

Yahoo zahlte Wangs Frau im Jahr 2007 schließlich eine Entschädigung in unbekannter Höhe. Zudem rief es einen Hilfsfonds für inhaftierte chinesische "Cyber Dissidenten" ins Leben. Vergangenen Monat stellte Yahoo China seinen E-Mail-Dienst ein.