In hektischer Eile hat die Syrien-Diplomatie in den vergangenen Tagen ihre Schauplätze gewechselt: Sankt Petersburg, Vilnius, Paris, London, Moskau, Peking, Jerusalem, Genf, wieder Paris. Nur in Berlin schaute niemand vorbei...

Nun geht es weiter nach New York. Die wichtigsten Akteure – Präsidenten, Premiers und Außenminister – reisen dorthin, wo die Welt-Diplomatie zu Hause ist. Nächste Woche beginnt die 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen. Und ganz oben auf deren Agenda steht der Bürgerkrieg in Syrien.

Zehn Jahre nach dem Irak-Krieg, schreibt der Spiegel in seiner Papierausgabe, könnten die Vereinten Nationen "erneut zur Bühne für Entscheidungen über das Kämpfen und Sterben im Nahen Osten werden".

Es stimmt schon, die Vereinten Nationen haben keinen guten Ruf. Im Syrien-Konflikt waren sie bisher gelähmt. Russland und China legten im Sicherheitsrat gleich dreimal ihr Veto ein gegen Resolutionen, mit denen Sanktionen gegen das Regime von Baschar al-Assad verhängt werden sollten.

Konservative in den USA verachten die Welt-Organisation regelrecht. Ihr – und dem Einspruch der Diktatoren – wollen sie sich nicht unterwerfen.

Dennoch: Bis heute lässt auch die Supermacht Amerika immer wieder am Hufeisentisch im New Yorker Glaspalast abstimmen, in der Hoffnung auf ein UN-Mandat.

Mögen sich die Juristen auch um die Verbindlichkeit des Völkerrechts streiten; die Beschlüsse des Sicherheitsrates verleihen dem Handeln der Mächte – insbesondere wirtschaftlichen Sanktionen oder gar militärischen Interventionen – die höchstmögliche politische und rechtliche Legitimität.

Deshalb ist es gut, dass die zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow geschlossene Vereinbarung von Genf jetzt in eine UN-Resolution gegossen werden soll. Vor allem die Franzosen drängen darauf, dass dies zügig geschieht, möglichst noch in dieser Woche.

Natürlich gibt es – wie bei Juristen üblich – sofort wieder Streit, was überhaupt in Genf vereinbart worden ist und was nun in New York beschlossen werden soll. Gewaltandrohung nach Kapitel VII der UN-Charta, ja oder nein? Natürlich, sagen die Amerikaner; niemals!, widersprechen die Russen.

Darum werden sie jetzt ringen. Und trotzdem sind die USA und Russland in Genf einen großen Schritt vorangekommen. Assad hat sich verpflichtet, auch auf Druck seines russischen Verbündeten, seine Chemiewaffen zu vernichten.

Dieser Prozess – Offenlegung, Kontrolle und Zerstörung des Giftgases – könnte ein wenig von dem Vertrauen schaffen, ohne das es eine politische Lösung des Bürgerkrieges nicht geben kann.

Und der Verzicht Assads auf seine Chemiewaffen könnte Ansporn sein für das mit ihm verbündete Regime in Teheran, sein Nuklear-Programm aufzugeben, an dessen Ende die iranische Atombombe stehen könnte.

Für Obama ist ein atomar bewaffneter Iran eine weit größere Bedrohung als das mit Giftgas bewaffnete Syrien. Gut möglich, dass der neue iranische Präsident Hassan Ruhani bei seiner Rede am Dienstag in New York einen Deal anbietet, der die Amerikaner interessiert.

Es wird spannend nächste Woche in New York, wo am Ende alle Probleme landen, mit denen die Diplomatie sonst nicht fertig wird. Keine dankbare, aber eine unverzichtbare Rolle.

Wie es der frühere UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld einst sagte: Die Vereinten Nationen seien nicht gegründet worden, "um den Menschen den Himmel auf Erden zu schenken, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren".