Am Donnerstag am Rande der UN-Vollversammlung stellte Frankreich den neuen Führer der Syrischen Nationalen Koalition vor: Ahmed Dscharba. Doch kurz zuvor, muss man leider sagen, ist diese Koalition nahezu irrelevant geworden. Eine Allianz von 13 Rebellengruppen in Syrien hat der Nationalen Koalition das Vertrauen entzogen. Man fühle sich nicht mehr repräsentiert durch Leute, die jenseits von Syrien bestimmen wollen, was sie mit ihrem Blut in Syrien erkämpfen müssen.

Diese Erklärung ist ein Wendepunkt für die Gruppe der Freunde Syriens, unter denen sechs Nato-Staaten und vier arabische Länder sind. Hier bricht die westliche Strategie zusammen, im Ausland die Opposition zu einigen und eine Exilregierung zu bilden, damit diese dereinst in das von Baschar Assad befreite Syrien einrücken kann. Die Exilgruppen haben einfach nicht genügend Rückhalt in Syrien. Mehr noch: Je länger der Krieg dauert, desto mehr wächst der Hass der Kämpfer auf die Politiker im Ausland. So wird die politische Exil-Opposition faktisch bedeutungslos. Die Freunde Syriens müssen dringend ihre Strategie ändern.

Es sind dreizehn syrische Rebellengruppen, die am Dienstag erklärten, dass die Syrische Nationale Koalition sie nicht mehr repräsentiere. Darüberhinaus forderten sie einen islamischen Staat, dessen Gesetze auf der Scharia gründen. Aus der Wortwahl schon lässt sich ablesen, dass es sich dabei vorwiegend um islamistische Gruppen handelt. Dazu gehören die schlagkräftigen Tawhid-Brigaden, die mit der von den Freunden Syriens gesponserten Freien Syrischen Armee vor allem in der Schlacht um Aleppo koalierten. Auch dabei ist die mächtige Ahrar as-Sham-Gruppe, die bis zu 20.000 Kämpfer hat. 

Vier Gruppierungen dominieren den Krieg

Diese beiden wichtigen Milizen haben sich nun endgültig mit den dschihadistischen Kämpfern verbrüdert, allen voran der gefährlichen Nusra-Front, die Al-Kaida nahesteht. Die Erklärung dieser Woche bedeutet, dass sich die islamistischen Gruppen in Syrien zusammenschließen und gegen Assad, aber auch gegen die vom Westen unterstützte Opposition kämpfen.   

Damit entsteht eine geschlossene neue Front im syrischen Krieg, der künftig von vier Parteien dominiert wird: den Assad-Milizen, den islamistischen Gruppen, der Freien Syrischen Armee und den Kurden. Koalitionen sind möglich, der Kampf aller gegen alle ist längst eine Realität. Vergangene Woche überrannten Dschihadisten das von der Freien Syrischen Armee kontrollierte Asas in Nordsyrien. Kurden kämpfen gegen Dschihadisten, aber auch gegen FSA-Truppen. Die FSA streitet gegen Radikalislamisten und Regimetruppen zugleich.   

Der Wirrwarr der Fronten in Syrien bedeutet für den Westen und die Freunde Syriens vor allem eines: Es nützt nichts, in Istanbul mühsam eine politische Opposition heranzuziehen, die in Syrien sowohl beim Regime wie auch bei den Rebellen mehr und mehr verhasst ist. Darüberhinaus ist es nutzlos, Waffen oder logistische Hilfe auf verschiedene Grüppchen, die sich mehr oder weniger islamistisch gebärden, zu verteilen.