Pakistanische Taliban haben sich zu dem Attentat auf eine christliche Kirche in Peshawar im Nordwesten des Landes bekannt. Bei dem Bombenanschlag wurden nach Regierungsangaben mindestens 78 Menschen getötet, darunter sind 34 Frauen und 7 Kinder. 110 weitere Gläubige wurden verletzt als sie die historische Kirche im Bezirk Kohati Gate verließen und die zwei Bomben explodierten. Das teilte die Polizei mit. Behörden und Kirchenvertreter sprachen vom schlimmsten Anschlag aller Zeiten auf Pakistans Christen.

Ahmad Marwat, der sich als Sprecher des Jundullah-Flügels der pakistanischen Taliban ausgab, sagte der Nachrichtenagentur AP in einem Telefongespräch, die Taliban setzten ihre Attentate auf Nicht-Muslime solange fort, solange die USA ihre Drohnenflüge fortsetzten.

Beim jüngsten Einsatz einer US-Drohne wurden am Sonntag in einer Stammesgegend in Nord-Waziristan nach Angaben des pakistanischen Geheimdienstes sechs mutmaßliche Kämpfer getötet. Die Gegend gilt als wichtiges Rückzugsgebiet der pakistanischen Taliban.

Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag auf die christliche Minderheit in Pakistan. Die Terroristen hätten keine Religion, denn Unschuldige anzugreifen, widerspreche den Lehren des Islams und jeder anderen Religion, sagte er.

Der Anschlag geschah als mehr als 400 Gläubige nach dem Gottesdienst aus der Kirche strömten, um sich vor dem Gotteshaus zu einem gemeinsamen Mahl mit kostenlosem Reis zu versammeln. Genau in dem Moment explodierten fast zeitgleich die beiden Bomben, wie die Polizei mitteilte.  

Bischof beklagt mangelnden Schutz von Christen

Der Bischof von Lahore, Irfan Jamli, sagte, es sei der tödlichste Anschlag auf Christen in Pakistan gewesen. Sein Amtskollege in Peshawar, Sarfarz Hemphray, kündigte eine dreitägige Trauer an. Er warf der pakistanischen Regierung und den Sicherheitskräften vor, zu wenig für die Sicherheit der Christen in dem Land zu tun. Hunderte Christen in der südlichen Stadt Karachi gingen aus Protest auf die Straßen und setzten Autoreifen in Brand.

Das örtliche Krankenhaus war mit den vielen Opfern des Anschlags überfordert. Unter den Toten waren viele Frauen und Kinder. Die weißen Wände der Kirche waren nach den Explosionen übersät von Löchern. Die Bomben waren vermutlich mit kleinen Metallteilen gespickt, um größeren Schaden anzurichten.

Seit Ministerpräsident Sharif im Juni die Regierung des Landes übernahm, haben islamistische Militante bereits mehr als ein Dutzend Anschläge verübt. Dennoch will er weiter mit Taliban über eine Friedenslösung beraten und ließ dafür wie gefordert erste Taliban-Gefangene frei . Der jüngste Anschlag vom Sonntag dürfte jedoch diejenigen bestätigen, die die Verhandlungen mit den Taliban als Fehler ansehen.

Die USA forderten Pakistan bereits mehrfach auf, härter gegen die Taliban vorzugehen, speziell gegen die afghanischen Taliban, die von Pakistan aus Anschläge auf die internationalen Truppen in Afghanistan verüben. Die Drohnen-Flüge der USA bezeichnet Pakistan offiziell als Verletzung der Souveränität. Doch soll die Regierung in Islamabad einige der Angriffe, die sich gegen pakistanische Taliban wandten, im Geheimen unterstützt haben.