Bei Protesten in Ägypten ist es erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Die Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi sind aus Protest gegen die Armee und die Übergangsregierung auf die Straße gegangen. 

In Alexandria bewarfen sich Anhänger und Gegner Mursis mit Steinen. Auch Schüsse waren zu hören. Sicherheitskräfte trieben die beiden Gruppen mit Tränengas auseinander und nahmen nach Behördenangaben mehrere Personen fest. Ein Mensch wurde getötet, mehrere weitere sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Mena verletzt.

Im gesamten Land strömten Mursi-Anhänger auf die Straßen und hielten Plakate mit einer offenen Hand und vier ausgestreckten Fingern hoch, dem Symbol für das Mitte August von Sicherheitskräften überrannte größte Protestlager der Islamisten und damit für den Widerstand der Muslimbruderschaft.

Die Freitagsproteste der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi haben wieder an Zulauf gewonnen. Sie waren nach dem harten Vorgehen der Polizei und des Militärs in den vergangenen Wochen zunächst schwächer geworden.

Ausnahmezustand um zwei Monate verlängert

Am Donnerstag hatte die Übergangsregierung den Ausnahmezustand im Land um weitere zwei Monate verlängert . Die vom Militär gestützte Regierung hatte den Schritt mit der anhaltend kritischen Sicherheitslage begründet. Auf der Sinai-Halbinsel setzte das Militär nach einer kurzen Pause wegen zwei Selbstmordanschlägen seine Offensive gegen islamistische Extremisten fort. Kampfhubschrauber griffen am Freitag Stellungen mutmaßlicher Rebellen in einem Dutzend Dörfer südlich der Stadt Scheich Suwaid und in der Nähe von Al-Arisch an. 

Am Mittwoch waren bei zwei Selbstmordanschlägen auf ein örtliches Hauptquartier der ägyptischen Sicherheitskräfte und einen Kontrollposten des Militärs mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Ursprünglich war von neun Toten die Rede gewesen. Eine militante Gruppe namens Dschund al-Islam bekannte sich zu dem Anschlag.

Seit Samstag geht die ägyptische Armee auf dem Sinai gegen islamistische Extremisten vor, die Offensive gilt als die größte in der jüngeren Vergangenheit. Bis Dienstag töteten Soldaten auf der strategisch wichtigen Halbinsel, die an Israel und den Gazastreifen grenzt, Armeeangaben zufolge mindestens 29 Verdächtige.