Die rechtsnationale, regierungstreue ungarische Tageszeitung Magyar Nemzet ist geradezu euphorisiert. " Merkels Sieg ist eine gute Nachricht sowohl für Deutschland als auch für Europa . Er suggeriert, dass die Lokomotive der Union weiterrast und auch den weiter hinten Reisenden Hoffnung gibt." Es sei das Versprechen der Stabilität und der Rettung, das aber nur durch Erneuerung eingehalten werden könne. Deshalb sei es unabdingbar, auf dem Höhepunkt der politischen Laufbahn neben den sicheren Rezepten auch mit neuen Ideen voranzugehen. Dazu gehörten neben der "als Dogma behandelten Budgetdisziplin" auch ein Augenmerk aufs Wachstum. "Nur so kann sie (Merkel) beweisen, dass ihr Programm nicht nur Ruhe ausstrahlt, sondern auch die notwendige Flexibilität."

Die französische Tageszeitung Le Monde erwartet für die dritte Amtsperiode von Angela Merkel keine wesentlichen Änderungen bei der EU-Politik. "Für Europa wird Merkel III – selbst mit der SPD als kleinerem Koalitionspartner – an Merkel II erinnern." Die Kanzlerin habe für die EU kein anderes Ziel, als die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. "Sie hat nicht Unrecht", schreibt das Blatt. Europa zähle nicht auf der internationalen Ebene und könne weder seine Interessen noch seine Werte verteidigen, wenn es kein wirtschaftliches Gewicht habe.

Der britische Guardian fragt ebenfalls, was Merkels triumphaler Wahlsieg für Europa bedeuten wird. Die Kanzlerin erwecke zwar manchmal den Eindruck, Entscheidungen von Fall zu Fall zu treffen. Aber die Bundesregierung sei sich bewusst, dass die Euro-Zone und Europa vor der nächsten Bundestagswahl 2017 beträchtliche Aufmerksamkeit brauchten.

"Dieser Sieg gibt ihr eine riesige Chance, das Drehbuch für Europas Zukunft zu schreiben", kommentiert die Zeitung. Merkel sei angesichts schwacher und unbeliebter Regierungen in den anderen Ländern Europas in der Lage, die nächste Dekade zu gestalten. Auch für Großbritannien und moderate Euroskeptiker wie Premier David Cameron sei Merkel an der Spitze Europas eine gute, vielversprechende Partnerin: Mit ihr könne ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU erfolgreich sein. "Die wiedergewählte und gestärkte Merkel könnte helfen, die Briten vor sich selbst zu retten."

Die Neue Zürcher Zeitung sieht gerade in der Europapolitik die größten Übereinstimmungen zwischen SPD und Union. "In der Europapolitik tragen die oppositionellen Sozialdemokraten die Regierungslinie ohnehin mit", schreibt die Zeitung. Komme ein Bündnis zustande, werde die SPD die Kanzlerin allerdings drängen, stärker auf die Wünsche Frankreichs und der Südländer einzugehen. "Der erste Test wird die Bankenunion sein, bei der sich Berlin bis jetzt hartnäckig den Forderungen der Euro-Partner widersetzt."

Auch für die französische Zeitung La Charente Libre ist Merkel durch ihre Wiederwahl "zum Leader in Europa befördert" worden. "Doch wird Deutschland akzeptieren, dass seine Partner von ihm mehr Solidarität verlangen – vor allem mit jenen Ländern, die es auf dem Höhepunkt der Krise den 'Club Med' nannte?", fragt das Blatt. Auch mit Frankreich werde es einen neuen Dialog geben, "und wir können sicher sein, dass Deutschland wie immer eine Reduzierung der Staatsverschuldung fordern wird". Denn, ob dies nun ein Mangel sei oder eine Stärke: "Angela Merkel ist dickköpfig."

"Sie kann nicht ewig abwarten"

Nach Auffassung des linksliberalen britischen Independent müssen erst einmal die Koalitionsverhandlungen abgewartet werden, um beurteilen zu können, was der Wahlsieg für Deutschland und Europa bedeuten wird. Am wahrscheinlichsten dürfte eine Große Koalition sein. "Trotz des eindeutigen Triumphes der Kanzlerin wird die Zukunft auch nicht leichter als die Vergangenheit." Eine Reihe schwieriger Themen stehe an, wie die vermeintliche Bankenunion der Euro-Zone. "Unter diesen Umständen ist die berühmte Vorsicht Merkels nicht schlecht. Doch auch sie kann nicht ewig abwarten", schreibt die Zeitung.

In Merkels Wahlsieg sieht die niederländische Zeitung de Volkskrant "einstweilen eine gute Nachricht". Sie verheiße politische Stabilität im wichtigsten Mitgliedsland der EU und Kontinuität in der europäischen Krisenpolitik. Auch mit der Bildung einer großen Koalition. "Denn gerade im Hinblick auf Europa sind sich beide Parteien bemerkenswert einig."

Die norwegische Tageszeitung Dagsavisen sieht nach dem Triumph nun einen Alltag mit Herausforderungen, "die sie im Wahlkampf unter den Teppich gekehrt hat". Etwa neue Kredite für die Krisenländer im Süden und Deutschlands eigene Budgetprobleme. Merkel sei unbestrittene Wahlsiegerin. "Aber sie hat damit gewonnen, aus Furcht vor den eigenen Wählern möglichst still zu stehen. (...) Die Geldkrise im Süden, nicht nur in Hellas, wird neue und teure Unterstützungsmaßnahmen erfordern." Deutschland sei gefordert, mehr Geld bereitzustellen. "Merkel hat nicht gewagt, das zu sagen. Und hätte sie es getan, wäre die Protestpartei Alternative für Deutschland zweifellos in den Bundestag gewählt worden", so das Blatt.