Tiger wolle er bekämpfen, genauso wie Fliegen, verkündete Chinas Staatspräsident Xi Jinping zu seinem Amtsantritt. Eine große Antikorruptionskampagne, die große und kleine Gauner erwische sollte, hatte er mit diesen Worten Ende Januar ausgerufen. Damals konnte sich aber noch niemand in China vorstellen, dass es einen von ganz oben aus der Hierarchie erwischen könnte. Doch nun scheint mit Zhou Yongkang, bis vor Kurzem als Sicherheitschef Chinas einer der mächtigsten Männer im Staat, tatsächlich ein sogenannter Tiger in den Fokus von Xis parteiinternen Korruptionsermittlungen geraten zu sein.

Zum Hintergrund: Vor seinem Job als Minister für Öffentliche Sicherheit ab 2002 und dem folgenden Karrierehöhepunkt im Ständigen Ausschuss des Politbüros ab 2007, war der heute 70-jährige Zhou drei Jahre lang Parteichef der riesigen Südwest-Provinz Sichuan gewesen. Ansonsten aber verbrachte er sein ganzes berufliches Leben als Beamter in der staatlichen China National Petroleum Corporation (CNPC), dem größten Öl- und Gasunternehmen Chinas, und den angeschlossenen Ministerien. In der CNPC brachte er es bis an die Spitze und wurde damit einer der mächtigsten Energiemanager des Landes.

Auch nach der CNPC-Zeit soll er enge Verbindungen in die Ölwirtschaft gehalten haben, zudem soll er an Gasvereinbarungen mit Turkmenistan und Kasachstan beteiligt gewesen sein. Dass gegen Zhou ermittelt wird, ist zwar nicht offiziell, die oft gut informierte South China Morning Post aus Hongkong hat das kürzlich berichtet. Offiziell jedoch ist, das auffällig viele aus Zhous altem Umfeld im Energiesektor und in Sichuan in Korruptionsuntersuchungen verwickelt sind. 

Parteifamilien haben gigantische Reichtümer angehäuft

Ranghöchster war zuletzt sein Protegé und Nachfolger an der CNPC-Spitze Jiang Jiemin. Dieser ist erst im März zum Chef der gleichfalls mächtigen "Kommission zur Kontrolle und Verwaltung des Staatsvermögens" berufen worden. Ferner gehörte Jiang bislang zu den mehr als 200 Mitgliedern des Zentralkomitees der Partei und hatte weitere ranghohe Posten inne.

Am Sonntag wurde er aus seinem Staatsjob entlassen. Nun ermittelt die Antikorruptionskommission der Kommunistischen Partei gegen ihn. Die Partei prüft Vorwürfe gegen Mitglieder zunächst selbst, bevor die Ermittlungen an die (von ihr kontrollierte) Justiz übergeben werden.

Vergangene Woche mussten zudem vier ranghohe Beamte ihre Posten in der Ölwirtschaft wegen "Disziplinarvergehen" verlassen, womit in China Bestechlichkeit gemeint ist. Darunter Li Hualin, ein früherer enger Gefolgsmann Zhous. Prominentester Fall aus Sichuan ist Guo Yongxiang, einst Vizegouverneur der Provinz und Zhous langjähriger Assistent.

Nun sind Bereicherung, Willkür und Amtsmissbrauch durch Partei- und Staatsbeamte in China ein alltägliches und allgegenwärtiges Übel, besonders gefördert durch den Umstand, dass das Land ein Einparteiensystem hat. Dazu kommt das sogenannte Guanxi-Prinzip, das ein besseres und größeres Beziehungsgeflecht garantiert, je weiter man in der Partei aufgestiegen ist. Im staatswirtschaftlich dominierten System China ermöglicht das den Guanxi-starken Familien Zugriff auf lukrative Wirtschaftszweige wie Immobilien und Energie. Manche Parteifamilien haben so inzwischen gigantische Reichtümer angehäuft.