Bei den Vereinten Nationen gibt es bislang keine Bestrebungen, einen gesonderten Vertrag zur halb- oder vollautonomen Kriegsführung zu entwerfen. Nur dadurch könnten Entwicklung und Einsatz von Drohnen reglementiert werden. Auch der am 2. April 2013 von der UN-Generalversammlung angenommene Vertrag über den Waffenhandel (Arms Trade Treaty) erwähnt Drohnen nicht ausdrücklich.

Drohnen sind für Staaten ohne Frage von Vorteil. Sie sind billiger als Kampfflugzeuge und es gibt keine Verluste in den eigenen Reihen. Daher ist es wahrscheinlich, dass immer mehr Drohnen eingesetzt werden. Allgemein stehen sie unter dem Verdacht, dass damit ein schmutziger Krieg geführt wird. Das ist einer der Gründe, wieso AI und HRW in ihrem Bericht den Einsatz anklagen. Schaut man sich die Berichtsfälle an, zählt jedoch nicht das Mittel, es geht um die Tat. Dabei wäre es irrelevant, ob man eine Drohne, einen Kampfhubschrauber oder ein Spezialkommando schickt.

Extrajudicial killings nennen die USA die Tötungen von Terroristen durch Drohnen. Der Begriff zeigt, dass es sich um ein Verfahren außerhalb gängiger Rechtsnormen handelt. Die USA sehen sich in einem Krieg, der nicht auf einem einzelnen Schlachtfeld im traditionellen Verständnis stattfindet. Dabei hält die US-Regierung gezielte Tötungen auch auf fremdem Staatsterritorium für legal und sieht sie nicht als Hinrichtungen ohne Gerichtsprozess.

Auch Drohnen sind Gegenstand des Rechts

"Ob Pakistan und Jemen ihr Einverständnis für Drohnenangriffe auf ihrem Staatsgebiet geben, hat keinen direkten Zusammenhang mit der Frage, ob solche Angriffe Menschenrechte von getöteten oder verletzten Personen verletzen", sagt Mayer. "Menschenrechte bestehen unabhängig von Hoheitsrechten." 

Noch immer stellt sich jedoch die Frage, ob der Einsatz von Drohnen generell einen Bruch des Völkerrechts darstellt. Hier gilt das humanitäre Völkerrecht, das Regeln für die Kriegsführung setzt. Der Einsatz von Drohnen muss daher an diesem Standard gemessen werden. Das humanitäre Völkerrecht schafft einen Ausgleich zwischen humanitären Erwägungen und militärischer Notwendigkeit im bewaffneten Konflikt.

Dabei sind Angriffe verboten, bei denen damit zu rechnen ist, dass es zu Verlusten in der Zivilbevölkerung kommt, die in einem krassen Missverhältnis zum militärischen  Vorteil stehen. Ob Drohneneinsätze jedoch aus strategischer Sicht tatsächlich erfolgreich sind, ist ungeklärt. Inwieweit sie Terrororganisationen tatsächlich schwächen, kann kaum nachgewiesen werden. Fakt ist jedoch, dass im Jahr 2012 nur zehn US-Zivilisten bei Terroranschlägen weltweit getötet wurden. Der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit lässt sich an dieser Stelle also durchaus erheben.

Auch Völkerrechtler Mayer kann nur darauf verweisen, sich Einzelfälle anzusehen: "Ein Angriff ist nur legitim, wenn es ganz konkrete Beweise gibt, dass das Ziel in näherer Zukunft einen Anschlag plant – und zwar in den USA oder auf eine US-Einrichtung", sagt er. "Ob also Drohnen Völker- oder Menschenrechte verletzen, kann nur im Einzelfall geklärt werden. Eine allgemeine Aussage dazu gibt es nicht." Der Einsatz von Drohnen kann also beides sein: legitimes Mittel und Kriegsverbrechen.

Völkerrecht wird jedoch durch die Praxis gemacht. Ein umfassender völkerrechtlicher Vertrag, der sich der Problematik der autonomisierten Kriegführung widmet, ist wenig wahrscheinlich. "Wenn kein Staat gegen den Einsatz von Drohnen protestiert, schleicht sich diese Art der Kriegsführung ein", so Mayer. "Und so, wie es derzeit aussieht, werden Drohnen von den meisten Staaten als legitimes Mittel angesehen – oder zumindest akzeptiert." Schreiten also die Staaten nicht ein, steht der Legitimierung autonomisierter Kriegsführung nichts im Wege. Und so lange wird er auch zahlreiche zivile Opfer fordern.