Barack Obama ist zu Hause nicht abkömmlich. In Washington herrscht Regierungsstillstand, und der legt allmählich auch die amerikanische Außenpolitik lahm. Beim Apec-Gipfel auf Bali und beim Ostasien-Gipfel in Brunei musste sich der US-Präsident von seinem Außenminister vertreten lassen.

Eine Aufgabe, die John Kerry auf Bali vergnügt kommentierte. Er habe ja einmal "sehr, sehr hart" daran gearbeitet, den Präsidenten zu ersetzen. Aber das war 2004, als er gegen George W. Bush antrat. An die Stelle Obamas zu treten – nein, "die Absicht hatte ich eigentlich nicht".

Amerikas "Wende nach Asien", sie findet derzeit ohne Amerika statt. Also macht sich China am Tisch der Großen noch ein wenig breiter. Staatspräsident Xi Jinping, der seine Landsleute derzeit mit Selbstkritik-Kampagnen im Stile Mao Zedongs verunsichert, könnte sich an das Wort des Großen Steuermanns erinnert haben: "Der USA-Imperialismus ist ein Papiertiger!"

Jedenfalls übernahm Xi auf Bali gewissermaßen den Vorsitz und verkündete den Teilnehmern des Wirtschaftsgipfels selbstbewusst seine Version der pazifischen Zukunft. "Wir bauen einen Asien-Pazifik-Raum, der die Welt führt." Und in dessen Mittelpunkt natürlich China steht.

China bläst die Backen auf: Für mehr als 10 Billionen Dollar will es in den nächsten fünf Jahren Waren importieren, mehr als 500 Milliarden Dollar will es im Ausland investieren. Die Botschaft, die mitklingt: Im Unterschied zu anderen kennen wir unsere Verantwortung.

Wenn am heutigen Mittwoch die Gipfel-Karawane nach Brunei weitergezogen sein wird, dann geht es nicht um die Wirtschaft, sondern um die Sicherheit. Und gerade hier hätten die kleineren asiatischen Länder Obama gern am Tisch gehabt. Im Ost- wie im Südchinesischen Meer schwären etliche Territorialkonflikte. Von Japan bis Vietnam setzt man auf Amerikas Unterstützung gegen die übermächtige Volksrepublik.

China seinerseits wettert gegen eine Einkreisungspolitik der Amerikaner. Und in der Tat haben diese gerade ihre Bündnisabkommen mit Südkorea und Japan erneuert. In Japan bauen sie ein neues Raketenabwehr-Radar und stationieren zum ersten Mal Aufklärungsdrohnen.

Japan selbst modernisiert seine Streitkräfte. Ministerpräsident Shinzo Abe, ein nationalistischer Falke, möchte das pazifistische Erbe der Nachkriegsjahrzehnte überwinden; Japan soll ein normales Land mit normalen Streitkräften werden.

Dass Japan im Westpazifik eine größere militärische Rolle spielen will, gefällt den Amerikanern. Was sie stört, ist der neue Nationalismus, denn der steht einer engeren Zusammenarbeit mit Südkorea entgegen, dem anderen engen Verbündeten der USA.

Stabilität in Asien, das akzeptieren sogar die Chinesen, wird es auf lange Zeit nur mit den USA geben. Deshalb wird niemand voreilige Schlüsse aus dem Fernbleiben Obamas ziehen. Amerika ist seit weit über hundert Jahren eine pazifische Macht und wird es bleiben.

Und doch gibt es Sorgen über eine von inneren Blockaden geschwächte Supermacht. "Es ist offenkundig, dass wir eine funktionierende US-Regierung einer nicht funktionierenden vorziehen, und uns ein Präsident lieber ist, der reisen und seine internationalen Verpflichtungen wahrnehmen kann", sagte Singapurs Premier Lee Hsien Loong auf Bali.

Das schmerzt. Und doch: Noch ist der Reputationsverlust nicht zum Machtverlust geworden. Oder, um es noch einmal in den Worten Maos zu sagen: Noch hat der Ostwind über den Westwind nicht die Oberhand gewonnen.