Eins der bestgehüteten Geheimnisse der deutschen Außenpolitik der achtziger Jahre war die Operation Sommerregen – jetzt kommt es ans Licht. Demnach arbeitete der Bundesnachrichtendienst ( BND ) während der Invasion der UdSSR in Afghanistan mit den islamischen Mudschahedin-Rebellen zusammen, um an sowjetische Militärtechnik zu gelangen. "Der BND war damals in Abstimmung mit der Bundesregierung in und um Afghanistan aktiv", sagte der damalige Präsident des Geheimdienstes, Hans-Georg Wieck , der Welt am Sonntag . "Es gehörte zu den Aufgaben des BND, sowjetisches Rüstungsmaterial zu sichern, um dieses zur Untersuchung nach Deutschland zu bringen."

Die BND-Leute interessierten sich laut Welt am Sonntag vor allem für neue Panzerungen, Munitionsarten, Nachtsichtgeräte und Navigationstechnik. Die Bundesregierungen der Kanzler Helmut Schmidt ( SPD ) und Helmut Kohl ( CDU ) hätten die Operation genehmigt. Zuständig sei das BND-Referat für die Regionen Naher und Mittlerer Osten gewesen; dessen Etat für die Operation habe 250.000 DM pro Jahr betragen.

Erbeuteten die Mudschahedin-Gruppen Waffen oder Munition – manchmal auch nur Teile von abgeschossenen Flugzeugen oder Hubschraubern – von den Sowjettruppen, meldeten sich dem Bericht zufolge afghanische Kämpfer beim BND, der die Beute anschließend sichtete. Die Zusammenarbeit sei recht gut gelaufen und die deutschen Agenten hätten gut gezahlt. Sie seien, als humanitäre Helfer getarnt, in Flüchtlingslagern an der afghanisch-pakistanischen Grenze im Einsatz gewesen, sagten ehemalige und noch aktive Geheimdienstmitarbeiter.

"Abgedeckte Operation"

Der Einsatz am Hindukusch blieb dem Bericht zufolge eine streng geheime Verschlusssache, intern "abgedeckte Operation" genannt. Akten seien dazu kaum angelegt worden, sagte ein ehemaliger BND-Mann der Zeitung. Hätten die Sowjets von der Präsenz westlicher Agenten mit militärischem Auftrag in Afghanistan erfahren, "hätten sie uns wie Kriegsgefangene vorgeführt".

Die Sowjetunion war Ende 1979 in Afghanistan einmarschiert. Der verlustreiche Feldzug endete 1989 mit dem Rückzug der Roten Armee. Die USA versorgten die Mudschahedin mit Waffen für den Kampf gegen die Besatzer. "Das war der einzige große Kriegsschauplatz in jener Zeit zwischen Ost und West", sagte ein ehemaliger BND-Mitarbeiter. Es sei eine gute Gelegenheit gewesen, der Sowjetarmee Waffen abzunehmen, um sie dann zu testen.