Immer mehr deutsche Islamisten ziehen in den Bürgerkrieg nach Syrien . Nach Spiegel -Informationen haben sie sich inzwischen in einem eigenen Lager im Norden Syriens versammelt. In dem sogenannten German Camp bereiteten sich deutschsprachige Kampfeinheiten auf ihren Einsatz im Bürgerkrieg vor, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf einen als "geheim" eingestuften Lagebericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Der Verfassungsschutz beobachte in Syrien einen Zulauf von radikalen Islamisten aus Deutschland , heißt es in dem Bericht. In den vergangenen Wochen habe der Geheimdienst verstärkt Reisen deutscher Islamisten nach Syrien beobachtet. Demnach befinden sich inzwischen rund 200 Radikale aus Deutschland in dem Bürgerkriegsland oder sind auf dem Weg dorthin. Für kampfeswillige Islamisten sei Syrien derzeit "der mit Abstand 'attraktivste' Dschihad-Schauplatz".

Dem Bericht zufolge stammten die meisten Syrien-Reisenden aus Nordrhein-Westfalen. Der Rest vor allem aus Hessen, Berlin, Bayern und Hamburg. Mehr als die Hälfte dieser Extremisten besitze die deutsche Staatsbürgerschaft.

Medienstelle für deutschsprachige Propaganda aufgebaut

Sorge bereitet dem deutschen Inlandsgeheimdienst laut dem Bericht auch eine Propagandaoffensive der Extremisten . Es gebe Hinweise, dass deutschstämmige Islamisten auf syrischem Boden mehrere "Medienstellen" aufbauen wollten, um von dort aus in deutscher Sprache über das Internet für den "heiligen Krieg" zu werben .

Verfassungsschutz -Präsident Hans-Georg Maaßen hatte vor einem Monat ebenfalls berichtet, dass junge muslimische Männer aus Deutschland verstärkt nach Syrien reisen, um dort auf Seiten der islamistischen Opposition zu kämpfen. Er sprach in einem Deutschlandfunk-Interview von etwa 170 deutschen Islamisten. "Nach unserer Erkenntnis hängen sie auch in einem engen Kontaktverhältnis und räumlichen Zusammenhang, sodass es durchaus denkbar ist, dass sie in einem bestimmten Ort sich auch versammeln", sagte er.

Besondere Gefährdung durch Heimkehrer

Auch von den kampferprobten Heimkehrern gehe eine "besondere Gefährdung" aus. Maaßen hatte sich besorgt gezeigt, "weil diese Personen vermutlich wieder zurückkommen werden. Sie werden wahrscheinlich Kampferfahrung haben, sie werden möglicherweise sogar einen Auftrag haben, einen terroristischen Auftrag."

Europaweit gehen die Behörden laut Spiegel von etwa tausend freiwilligen Kämpfern in Syrien aus, Ende 2012 seien es noch 250 gewesen. Die Islamisten stammten aus allen Teilen des Kontinents, darunter etwa 90 aus Großbritannien, 120 aus Belgien, 50 aus Dänemark und 150 aus dem Kosovo. Nach einer aktuellen Statistik deutscher Behörden wurden demnach bisher acht aus Deutschland angereiste Kämpfer im syrischen Bürgerkrieg getötet.