Affront gegen Silvio Berlusconi: Der Chef seiner Mitte-rechts-Partei PDL, Angelino Alfano, hat die Abgeordneten aufgerufen, sich bei der Vertrauensabstimmung im italienischen Parlament am Mittwoch hinter Ministerpräsident Enrico Letta zu stellen. Damit wendet sich Alfano gegen den Kurs von Berlusconi, der auf Neuwahlen hinarbeitet und dabei die geschlossene Unterstützung der PDL einfordert.      

"Ich bleibe fest überzeugt, dass unsere gesamte Partei für das Vertrauen in Letta stimmen sollte. Es gibt keine Gruppen und Grüppchen", sagte Alfano nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Vor Alfano hatte sich bereits der PDL-Senator Carlo Giovanardi hinter Letta gestellt. "Wir haben genug Leute, wir sind mehr als 40, und wir sind entschlossen, die Regierung im Gleichgewicht zu halten. Deshalb werden wir ihr das Vertrauen aussprechen." 

Giovanardi hält sogar ein einstimmiges Votum der PDL für möglich. "Ich habe den Eindruck, dass das die Richtung ist, die sich abzeichnet", sagte er. Bislang galten Lettas Chancen auf Erfolg bei der Vertrauensfrage als begrenzt.

EU-Währungskommissar Olli Rehn warnte vor internationalen Folgen der Regierungskrise. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass jetzt für alle europäischen Bürger viel auf dem Spiel steht", sagte Rehn.

Berlusconi hatte am vergangenen Wochenende mit einer Handvoll Berater beschlossen, die fünf Minister seiner Partei aus Lettas Kabinett abzuziehen und rasche Neuwahlen gefordert. Begründet wurde der Schritt offiziell mit dem Protest gegen eine geplante Mehrwertsteuer-Erhöhung. Hintergrund ist jedoch eine bevorstehende Abstimmung im Senat darüber, ob Berlusconi wegen seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen Steuerbetrugs seinen Posten als Senator verliert.