Der syrische Präsident Baschar al-Assad erzürnt seine Gegner mit einem Interview. "Was Assad gesagt hat, das sind doch die Worte eines Mannes, der jede Beziehung zur Realität verloren hat", wetterte die Oppositionelle Bahia Mardini in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender Al-Arabija. Assad hatte in einem Interview mit dem arabischen TV-Sender Al-Mayadeen am Montagabend gesagt: "Ich sehe nichts, was mich von einer Kandidatur für eine weitere Amtszeit abhalten sollte."

Seine Antwort hänge von zwei Faktoren ab, erläuterte er. "Der erste ist mein persönlicher Wunsch, der zweite ist der Wille des Volkes." Bezüglich des ersten Punktes sehe er keinerlei Hinderungsgrund, bei der nächsten Wahl anzutreten.

Das Interview war auch Thema während einer Tagung in London . Außenminister und hochrangige Diplomaten aus elf Ländern riefen dort die moderaten syrischen Oppositionsgruppen zu enger Zusammenarbeit auf. Dabei geht es vor allem um eine gemeinsame Teilnahme an einer für November in Genf geplanten Syrien-Friedenskonferenz . "Syrer aus allen Lagern müssen sich nun bemühen, die nötigen Kompromisse einzugehen, damit ein Friedensprozess funktionieren kann", sagte der britische Außenminister William Hague. Nur so könne extremistischen Gruppen in dem Land Einhalt geboten werden. 

Bei dem Treffen waren neben Hague auch US-Außenminister John Kerry und syrische Oppositionsvertreter anwesend. Die Konferenz in Genf ist nach Angaben der Arabischen Liga für den 23. und 24. November geplant, die Vereinten Nationen haben den Termin bisher nicht offiziell bestätigt. Eine Gruppe demokratischer Staaten will bei der Konferenz eine Lösung in dem seit zweieinhalb Jahren andauernden Konflikt finden, bei dem bereits mehr als 120.000 Menschen starben – unter anderem durch chemische Waffen. Allerdings ist derzeit nicht klar, wer überhaupt teilnehmen wird. Auch in der syrischen Opposition gibt es Kräfte, die solche Gespräche ablehnen. 

Assad hatte zuvor gesagt, er glaube nicht an einen Erfolg der Genfer Verhandlungen. "Es gibt noch viele offene Fragen", erläuterte er. Zum Beispiel sei unklar, wen die Exil-Opposition überhaupt vertrete, "das syrische Volk oder die Länder, von denen sie unterstützt wird". Die Regierung sei dennoch bereit, an den geplanten Gesprächen teilzunehmen. Syrien lässt derzeit unter internationaler Kontrolle seine Chemiewaffen vernichten . Nach heftiger internationaler Kritik an mehreren Giftgaseinsätzen vom August hatte das Regime eingewilligt.