Als Reaktion auf den mutmaßlichen Anschlag auf dem Tiananmen-Platz in Peking haben die chinesischen Behörden in den beiden Provinzen Tibet und Xinjiang ihre Sicherheitsbestimmungen erhöht. Lokalen Medien zufolge patrouillieren auf den Straßen in Ürümqi, der Hauptstadt der Uiguren-Provinz Xinjiang, mehr Polizisten; Händler und Autos würden zusätzlich kontrolliert. Laut Staatsmedien sollen zudem Flüge aus der und in die Region strengeren Sicherheitsvorschriften unterliegen.

Am Montag war ein Geländewagen auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum Pekings in eine Menschenmenge gerast und vor dem Kaiserpalast in Flammen aufgegangen. Die drei Insassen des Wagens und zwei Touristen starben. 40 weitere Menschen wurden verletzt. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann und die beiden Frauen im Auto ihren Wagen gezielt in Brand gesetzt haben. Fünf mutmaßliche Komplizen waren danach verhaftet worden. Am Mittwoch sprach die Polizei erstmals von einem Terroranschlag. Bei den Attentätern und Verdächtigen soll es sich um muslimische Uiguren aus Xinjiang handeln.

Die Regierung warnt derzeit vor weiteren Anschlägen der westchinesischen Minderheiten. Zuvor hatten die chinesischen Medien in ihren spärlichen Berichten von Messern, eisernen Prügeln, Benzinkanistern und verbotenen uigurischen Flaggen erzählt, die im Täterjeep gefunden worden sein sollen. Die fünf festgenommenen mutmaßlichen Komplizen sollen Symbole des islamischen Heiligen Kriegs bei sich geführt haben.

Die Staatszeitung Huanqiu Shibao schrieb vom ersten schweren Anschlag von Terroristen aus Xinjiang in der chinesischen Hauptstadt. Das Blatt rief in einem Kommentar zu erhöhter Wachsamkeit auf. Die staatliche Zeitung China Daily beschrieb die Attentäter als "religiöse Terroristen".  

Protest in der Hauptstadt

Uiguren fordern seit Jahrzehnten mehr Autonomie, immer wieder kommt es zu Selbstmordanschlägen und Attacken auf die chinesische Obrigkeit. Allerdings äußerte sich die Wut der Uiguren nur selten außerhalb ihrer westchinesischen Provinz Xinjiang. Kaum eine Nachricht aus diesem zentralasiatischen Gebiet dringt nach außen. Experten gehen davon aus, dass die Täter vom Platz des Himmlischen Friedens genau dies ändern wollten: Sie wagten sich mit ihrem Protest in die Hauptstadt. "Ist diese Grenze einmal überschritten, ist der Protest kaum einzudämmen", schätzt der Chinaexperte Philip Potter von der University of Michigan .