Er hat also begonnen: der Kalte Krieg Teil zwei. Eine neue Weltordnung, in der ein mächtiger Westblock und ein starker Ostblock einander gegenüberstehen und alle anderen Länder dominieren, sagen viele Beobachter seit Jahren voraus. Aber jetzt haben wir die ersten Zeichen, dass dieses Szenario Wirklichkeit wird, denn in den letzten Monaten ist sichtbar geworden, dass die UdSSR zur militärischen Weltmacht aufsteigt … ah, Moment mal: Ich meine natürlich China.

Alles, was im 21. Jahrhundert in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Militär und Kultur noch passiert, geschieht im Schatten von Amerika oder China, denn die Kleinstaaten in Europa und anderswo müssen nach der Pfeife dieser zwei Großen tanzen, oder werden dazwischen zermahlen.

Der Bundesnachrichtendienst hat die Hintergründe bereits Anfang des Jahres in einem Bericht beschrieben: Amerika, von der Finanzkrise angeschlagen und von zwei Kriegen müde, werde sich aus der Weltpolitik immer mehr zurückziehen. Das hat schon begonnen. Wichtiger noch: Voraussichtlich ab dem Jahr 2020 werden die USA nicht mehr vom Öl aus der arabischen Welt abhängig sein, sondern, laut der Internationalen Energieagentur (IEA), selbst zum wichtigen Öl-Exporteur werden. Fracking sei Dank!

Das hat Folgen für die Weltordnung, denn Amerika kann sich damit endlich aus dem Nahen Osten verabschieden. Sobald wir Amis kein Öl mehr aus den Opec-Ländern brauchen, müssen wir uns auch nicht mehr um die Sicherung der Handelswege und die Stabilität in der Region kümmern. Unsere Flugzeugträger ständig zwischen dem Sueskanal und dem Horn von Afrika patrouillieren zu lassen, kostet uns Milliarden. Endlich können wir unsere Marine nach Hause schicken. 

China ist größter Öl-Importeur der Welt

Das wiederum hinterlässt eine gähnende Lücke: Wer schickt dann – außer Somalia natürlich – noch Schiffe in den Golf? Vermutlich, so der BND-Bericht, China.

Das Reich der Mitte hat nicht nur Ambitionen zur Weltmacht, es braucht als aufstrebende Weltwirtschaft auch immer mehr Öl. Das sieht man schon jetzt: Vor Kurzem erst hat China die USA als größter Öl-Importeur der Welt überholt.

Laut dem Stockholm International Peace Institute ist der chinesische Rüstungsexport zwischen 2008 und 2012 um 162 Prozent gestiegen. Auf der Liste der größten Rüstungsexporteure liegt China nun auf dem fünften Platz. Das taiwanesische Verteidigungsministerium hat vor Kurzem erst in einem Bericht davor gewarnt, dass die chinesische Armee ab dem Jahr 2020 stark genug sein würde, um Taiwan anzugreifen.

Der erste Kalte Krieg war für uns Amis eine feine Sache: Wir durften den Europäern sagen, wo es langgeht, und wir haben verdammt gute Filme gedreht. Vielleicht bringt uns der KK2 ja neue Meisterwerke wie Krieg der Sterne, vielleicht sogar endlich wieder einen vernünftigen James Bond? Nein, was Amerika betrifft, bin ich über den Aufstieg Chinas guter Dinge, denn, wie man bei uns zu Hause sagt: Konkurrenz belebt das Geschäft.