Das Weiße Haus hat die US-Drohneneinsätze in Pakistan verteidigt. Sie seien "präzise, rechtmäßig und effektiv", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Die Angriffe mit den unbemannten Flugkörpern erfüllten die Standards aller anwendbaren Rechtsvorschriften. Dem von Amnesty International und Human Rights Watch erhobenen Vorwurf, die USA würden bei den Angriffen internationales Recht brechen, widersprach er. Washington sorge mit "äußerster Sorgfalt" dafür, innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu handeln.

Carney sagte, dass es bei Drohnenattacken wie in jedem bewaffneten Konflikt auch zivile Opfer gebe. Der mögliche Tod von Zivilisten bleibe eine "unbequeme Wahrheit". Vor jedem Angriff müsse aber nahezu ausgeschlossen werden können, dass Unschuldige verletzt würden, sagte Carney. "Das ist der höchste Standard, den wir setzen können."

Carney verwies darauf, dass Obama im Mai in einer Rede zu seiner Antiterrorstrategie strengere Richtlinien für den Einsatz von Drohnen angekündigt habe. Genau diese Ankündigungen seien bis heute aber "leere Versprechen" geblieben, kritisierte Amnesty.

Amnesty beschuldigt Deutschland mitgeholfen zu haben

Amnesty hatte der US-Regierung in einem Bericht vorgeworfen, mit Drohnenangriffen mehrfach das Völkerrecht gebrochen und möglicherweise Kriegsverbrechen begangen zu haben. Dabei würden die USA auch von Deutschland unterstützt , von wo aus etwa die Handynummern späterer Drohnen-Opfer an den US-Geheimdienst CIA geliefert wurden. Amnesty stützt sich in dem Bericht auf Informationen pensionierter Offiziere des pakistanischen Geheimdienstes. Nach unbestätigten Angaben sollen bereits mehr als 2.500 Menschen getötet worden sein.

Von der Bundesregierung gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen. Der Bundesnachrichtendienst ( BND ) wollte sich überhaupt nicht äußern. In Zusammenhang mit ähnlichen Vorwürfen hatte der Dienst kürzlich aber erklärt, die Weitergabe von Mobilfunknummern Terrorverdächtiger an befreundete ausländische Geheimdienste sei rechtmäßig. Die Praxis gebe es schon seit den Jahren 2003/04. Für eine zielgenaue Lokalisierung seien die Nummern aber nicht geeignet.

Pakistan verlangt Ende der Angriffe

Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif verlangte erneut ein Ende der Drohnenangriffe. Deren Einsatz sei ein großes Hindernis für die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA und eine "anhaltende Verletzung der Unversehrtheit unseres Staatsgebietes", sagte Sharif . Außerdem seien die Einsätze schädlich für die pakistanischen Bemühungen im Kampf gegen Terroristen. Sharif war am Sonntag nach Washington gereist, am Mittwoch will er US-Präsident Barack Obama treffen.

Die USA setzen Kampfdrohnen vor allem in den pakistanischen Stammesgebieten ein, aber auch in Afghanistan und im Jemen . Ziele sind Islamisten und Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Die genaue Opferzahl ist nicht bekannt. Die Amnesty-Mitarbeiter hatten nach eigenen Angaben 45 Drohnenangriffe untersucht, die zwischen Januar 2012 und August 2013 in der schwer zugänglichen pakistanischen Bergregion Nord-Waziristan geflogen worden seien.