Abgeordnete der Republikaner haben zur Lösung des US-Finanzstreits einen eigenen Vorschlag eingebracht, obwohl ein überparteiliches Bündnis im Senat mit einem Kompromiss bereits weit vorangeschritten war . Harry Reid , der demokratische Fraktionschef im Senat, der sich zuletzt noch optimistisch gezeigt hatte, bezeichnete den Vorstoß als "krasse Attacke" auf die bisherige Arbeit der Senatoren.

In den wichtigsten Punkten gleicht der neue Plan der Republikaner dem bisherigen Kompromissvorschlag aus dem Oberhaus. Allerdings verlangen die Republikaner Änderungen an der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama . Das Weiße Haus lehnte den Entwurf deshalb umgehend ab. Bereits jetzt seien die USA in eine "völlig unnötige, komplett hausgemachte" Krise geschlittert, sagte Sprecher Jay Carney.

Das Schuldenlimit soll von derzeit 16,7 Billionen Dollar (etwa 12,3 Billionen Euro) – beiden Plänen zufolge – vorübergehend bis zum 7. Februar angehoben werden. Damit soll der drohende Zahlungsausfall der USA abgewendet werden, der für die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte schwerwiegende Folgen haben könnte.

Außerdem soll die Regierung bis zum 15. Januar finanziert werden. Seit dem 1. Oktober arbeitet sie ohne verabschiedeten Haushalt. Noch immer sind weite Teile der Bundesverwaltung stillgelegt und Hunderttausende Staatsbedienstete in Zwangsurlaub. Bei einem möglichen Kompromiss würde die Verwaltung umgehend wieder geöffnet.

Streitpunkt Gesundheitsreform

Entscheidend im Entwurf der Republikaner waren geplante Änderungen an der als Obamacare bekannten Gesundheitsreform, an der Obama und die Demokraten festhalten wollen. Anders als der Senat wollen die republikanischen Abgeordneten eine Steuer in Höhe von 63 Dollar (etwa 46 Euro), die auf alle abgeschlossenen Versicherungen erhoben würde. Eine geplante Steuer auf medizinische Geräte, welche die Reform ebenfalls mitfinanzieren sollte, würde dagegen um zwei Jahre verzögert.

Zudem sollen dem Finanzministerium keine außerordentlichen Maßnahmen mehr zugestanden werden, um Rechnungen auch nach Erreichen der Schuldenobergrenze zu begleichen. Mit diesem Trick können die USA Rechnungen zumindest noch für einige Tage oder wenige Wochen bezahlen, wenn das Limit erreicht ist und das Land keine neuen Schulden aufnehmen kann.

John Boehner, der Anführer der Republikaner im Abgeordnetenhaus , sagte dass es nicht zu einem Zahlungsausfall der USA kommen dürfe. Es gebe derzeit aber viele Meinungen über einen möglichen Weg. Der TV-Sender CNN berichtete über Schwierigkeiten Boehners, im eigenen Lager Unterstützung für den Gegenvorschlag zu bekommen. Amy Brundage, eine Sprecherin Obamas, sagte, der Vorschlag aus dem Repräsentantenhaus sei lediglich ein Versuch, den erzkonservativen Tea-Party-Flügel der Republikaner zu beschwichtigen.

Das Abgeordnetenhaus und der Senat müssen einem Entwurf der jeweils anderen Kammer zustimmen. Erst wenn beide Kammern zugestimmt haben, kann Obama einen möglichen Entwurf unterzeichnen und das Gesetz in Kraft treten lassen.