Die Präsidentenwahl in Aserbaidschan, bei der Amtsinhaber Ilcham Alijew bestätigt wurde, verlief internationalen Beobachtern zufolge weder fair noch frei. In einer Stellungnahme teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit, dass die Wahl von Beschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit überschattet wurde. Vorwürfe, dass Kandidaten und Wähler eingeschüchtert wurden sowie ein restriktives Medienumfeld hätten die Wahl beschädigt. Auch am heutigen Tag der Abstimmung habe es "bedeutende Verstöße" gegeben.

Bestärkt wird das Urteil der Wahlbeobachter von dem Umstand, dass das Wahlergebnis bereits am Mitttwochabend versehentlich veröffentlicht wurde: In einer offiziellen Smartphone-App der Wahlkommission wurde Amtsinhaber Ilcham Alijew bereits einen Tag vor der Wahl als Gewinner ausgewiesen, berichtet die Washington Post. Demnach lag Alijew mit  72,76 Prozent der Stimmen vor seinen Kontrahenten – der offiziellen Auszählung zufolge erreichte er rund 85 Prozent.

Am Donnerstag entschuldigte sich die Wahlkommission für das "Missverständnis". Es habe sich lediglich um einen Test in einem der Wahlbüros gehandelt, um die Software zu überprüfen, hieß es. Alte Ergebnisse und Stimmabgaben wurden für diesen Test nicht verwendet.

Ilcham Alijew hatte die Macht in Aserbaidschan vor zehn Jahren von seinem Vater Heidar übernommen und regiert das ölreiche Land seitdem diktatorisch. 2008 wurde er in einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigt. 2009 ließ Alijew in einem Referendum eine Verfassungsänderung absegnen, mit der er unbegrenzt wiedergewählt werden darf. Während Kritiker Alijew schwere Menschenrechtsverstöße vorwerfen, halten ihm seine Anhänger den Aufschwung der Wirtschaft zugute.