Der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad soll doch nicht entführt worden sein. "Es war keine Entführung. Er war einfach nur verschwunden", hieß es aus Sicherheitskreisen in Kairo.

Abdel-Samad hatte im vergangenen Sommer wegen Äußerungen über den "religiösen Faschismus" im zeitgenössischen Islam Morddrohungen erhalten. Am vergangenen Sonntag war er in der ägyptischen Hauptstadt verschwunden. Zuvor hatte er am Telefon berichtet, er fühle sich verfolgt. Am Dienstagabend tauchte er wieder auf und begab sich zur deutschen Botschaft in Kairo.

Der linke ägyptische Politiker Mamdouh Habashi hatte noch am Mittwoch gesagt, er meine, dass die Muslimbrüder hinter dem mysteriösen Verschwinden des Autors stehen. "Die Sabotagemöglichkeiten der Muslimbruderschaft haben keine Grenzen", sagte der Mitgründer der Sozialistischen Partei Ägyptens.

Der 41-jährige Abdel-Samad wurde 2009 durch sein Werk Mein Abschied vom Himmel bekannt. Darin schildert er seine persönliche Auseinandersetzung mit dem Islam. Das Buch löste heftige Kritik in Ägypten aus. Nach der Veröffentlichung wurde eine Fatwa gegen den bekennenden Atheisten ausgesprochen.