Der deutsch-ägyptische Publizist und Politologe Hamad Abdel-Samad ist in Kairo entführt worden. Das ägyptische Nachrichtenportal youm7 meldete unter Berufung auf seinen Bruder Mahmud Abdel-Samad, er sei am Sonntag in der Nähe des Al-Azhar-Parks in Kairo verschwunden. Vorher soll Hamed Abdel-Samad am Telefon berichtet haben, er fühle sich verfolgt.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen ermittelt die Polizei bereits gegen Unbekannt. Ein Beamter sagte, es sei nicht auszuschließen, dass radikale Extremisten für das Verschwinden des Publizisten verantwortlich seien.

Der Journalist und Autor der Zeitung Der Freitag , Walid Malik, ein Freund Abdel-Samads, bestätigte die Entführung auf Twitter.

Der Autor hatte in seinen Veröffentlichungen mehrfach die Ideologie des politischen Islams kritisiert. Daraufhin hatte er Morddrohungen erhalten. Sein Bruder befürchtet deshalb, er könne von Islamisten entführt worden sein.

In einem Interview mit ZEIT ONLINE hatte Abdel-Samad im Juni beschrieben, dass sich sein Leben nach einem Vortrag komplett verändert habe. In dem Vortrag hatte er den Islamismus als eine Form des Faschismus bezeichnet. Der Salafisten-Scheich Assem Abdel-Maged forderte daraufhin in einer Sendung des Senders Elhafez: "Er muss getötet werden, und seine Reue wird nicht akzeptiert." Abdel-Samad sagte, seit der Morddrohung könne er sich in Kairo nicht mehr frei bewegen.

Mit dem Journalisten Henryk Broder realisierte Abdel-Samad 2010 das TV-Projekt Entweder Broder – Die Deutschland-Safari . Ebenfalls im Jahr 2010 erschien sein Buch Der Untergang der islamischen Welt .

Auf dem Portal change.org gibt es eine Petition , in der Außenminister Guido Westerwelle (FDP) aufgefordert wird, sich für die Freilassung Abdel-Samads einzusetzen. Auf Twitter setzten sich auch deutsche Medien für den Autoren ein.