Der gestürzte ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist nach eigenen Angaben vor seiner Absetzung durch das Militär entführt und auf einem Marine-Stützpunkt festgehalten worden. Das geht aus einem Brief Mursis hervor, den Anwalt Mohamed Damati vor Journalisten verlas. Bisher war nur wenig über den Verbleib Mursis seit seinem Sturz bekannt. Mit dem Brief hat der Muslimbruder erstmals außerhalb des Gerichtssaals seine Sicht der Dinge dargestellt.

"Das ägyptische Volk sollte wissen, dass ich gewaltsam entführt wurde und gegen meinen Willen vom 2. Juli bis 5. Juli in einem Haus der republikanischen Garde war, bis ich und meine Berater erneut gewaltsam in eine Marine-Basis der Streitkräfte für vier volle Monate verlegt wurden", zitierte der Anwalt Mursi. Die republikanische Garde ist eine Elite-Militäreinheit, die den Präsidentenpalast sowie weitere Regierungsgebäude bewacht. In der Haft habe er nur die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie eine EU-Delegation und vier Staatsanwälte getroffen.

Das Militär hatte am 3. Juli Mursi entmachtet und eine Übergangsregierung eingesetzt. Seitdem kommt Ägypten nicht zur Ruhe. Die Muslimbruderschaft wurde verboten , ihre Anhänger von Militär und Justiz verfolgt. Ein Gericht hob am Dienstag den vor drei Monaten ausgerufenen Ausnahmezustand auf. Damit sollen künftig auch nächtliche Ausgangssperren wegfallen.

Mursi droht die Todesstrafe

Der Prozess gegen Mursi und 14 weitere Angeklagte der Muslimbruderschaft wegen Anstiftung zur Gewalt und des Todes von Demonstranten begann Anfang November mit einem Eklat. Nach wiederholten Unterbrechungen aufgrund von Protestrufen Mursis vertagte der Richter die Verhandlung auf Januar .

Mursi will sich vor Gericht gegen seine Entmachtung wehren. "Der Präsident erwägt gesetzliche Maßnahmen gegen den Staatsstreich", sagte sein Anwalt vor Journalisten. Ein Team von Verteidigern werde in Kürze entsprechende Schritte unternehmen. So werde eine Klage beim Generalstaatsanwalt eingereicht, die die Entmachtung als Verbrechen entlarven werde.

Bei einem Schuldspruch droht dem ersten freigewählten Präsident in der jüngeren ägyptischen Geschichte lebenslange Haft oder die Todesstrafe.