Tausende Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft sind am Freitag in Kairo und anderen ägyptischen Städten auf die Straßen gegangen – genau 100 Tage nach der gewaltsamen Räumung ihrer Protestcamps durch die Übergangsregierung. Es kam zu Ausschreitungen, bei denen zwei Menschen starben, einer davon ein zehnjähriger Junge. 

Wie die Rettungsdienste mitteilten, starb der Junge in Suez, nachdem er bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und -Gegnern am Kopf von einer Schrotladung getroffen worden war. Das zweite Opfer war demnach ein 21-Jähriger, der im Osten Kairos erschossen wurde. Mindestens 14 weitere Menschen wurden verletzt.

In Kairo versuchten die Protestierenden auf einen Platz im Osten der Hauptstadt zu gelangen, auf dem vor der Räumung zahlreiche Mursi-Anhänger protestiert hatten. Sie wurden von Sicherheitskräften davon abgehalten, die das Gebiet abriegelten und Tränengas einsetzten. Andere Demonstranten versuchten eine Hauptverkehrsstraße zu blockieren. Auch hier schoss die Polizei mit Tränengas.

Im Kairoer Viertel Heliopolis steckten Anhänger der Muslimbruderschaft Reifen in Brand. Das Feuer griff auf eine Straßenbahn über, wie die Agentur Mena berichtete. Auch an anderen Orten wurden nach Angaben des Innenministeriums Brände gelegt und Steine geworfen. Verantwortlich sollen demnach Studenten sein, die Mursi unterstützen.

Der islamistische Präsident Mohammed Mursi war im Juli vom Militär gestürzt worden. Die Übergangsregierung geht seitdem massiv gegen die Muslimbruderschaft vor. Mursi und 14 Funktionäre der Muslimbruderschaft sind wegen Anstiftung zum Mord an oppositionellen Demonstranten angeklagt. Weil der Prozess von Tumulten begleitet wurde, ist er auf Januar vertagt worden.