Die afghanische Regierung zieht die Wiedereinführung von Steinigungen in Betracht. Eine Arbeitsgruppe im Justizministerium habe die Bestrafung für "moralische Verbrechen" wie außerehelichen Geschlechtsverkehr vorgeschlagen, berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Right Watch. Sie forderte, Präsident Hamid Karsai müsse den schockierenden Vorstoß umgehend ablehnen. Sollte der Vorschlag Gesetz werden, müssten internationale Geldgeber ihre Unterstützung stoppen.

Die Menschenrechtsorganisation teilte mit, der Entwurf der entsprechenden Klausel für ein neues Strafgesetzbuch sehe die Todesstrafe durch Steinigung vor, wenn mindestens einer der Sexualpartner durch den Geschlechtsverkehr Ehebruch begehe. Wenn beide unverheiratet seien, solle die Strafe 100 Peitschenhiebe betragen. Die Strafen sollten – wie einst unter dem Taliban-Regime – öffentlich vollstreckt werden.

Afghanistan will das Strafgesetzbuch des Landes aus dem Jahr 1976 überarbeiten. Seit dem Sturz des radikalislamischen Taliban-Regimes Ende 2001 ist es in Afghanistan vereinzelt zu Steinigungen gekommen, die aber von der Karsai-Regierung nicht gebilligt waren.