Schon Schah Mohammed Reza Pahlevi hatte ehrgeizige Pläne. 20 Atomreaktoren wollte der Herrscher auf dem Pfauenthron im Iran bauen lassen. Entsprechend waren die 1970er Jahre gepflastert mit Milliardenverträgen für Firmen aus den USA, Frankreich und Deutschland. Kernenergie zu besitzen sei ein nationales Recht, argumentierte der Diktator und ratifizierte 1970 den Atomwaffensperrvertrag.

Vier Jahre später allerdings rutschte ihm eine Bemerkung heraus, die in Washington Alarm auslöste. Persien werde Atombomben haben, "ohne jeden Zweifel und schneller als mancher denkt", sagte der Schah in einem Interview und ließ seinen damaligen Atomchef Akbar Etemad erklären, keine Nation habe das Recht, einer anderen ihre Nuklearpolitik zu diktieren.

Das weckte bei den damaligen US-Präsidenten Gerald Ford und Jimmy Carter den Verdacht, der Teheraner Monarch strebe nach Plutonium für Atombomben, und zwar über eine eigene Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe. Jahrelang verhandelten die USA mit dem Iran, um sich eine friedliche Nutzung garantieren zu lassen. Der im Sommer 1978 paraphierte Vertrag jedoch kam wegen der Islamischen Revolution nicht mehr zustande.

Reaktor Bushehr war zunächst eine Ruine

Die neue Führung um Ajatollah Ruhollah Chomeini zeigte zunächst wenig Interesse an dem Atomthema. Am Persischen Golf stand der von Deutschen konstruierte, halbfertige Reaktor Bushehr. Nachdem die Anlage 1985 im irakisch-iranischen Krieg bombardiert worden war, ließ man die Ruine liegen.

Erst Mitte der 1990er Jahre kam die Konstruktion mit russischer Hilfe wieder in Gang. Fast 20 Jahre später wurde der Reaktor schließlich im Juli 2011 an das iranische Stromnetz angeschlossen.

Auch wenn Staatsgründer Chomeini stets versicherte, alle Massenvernichtungswaffen seien mit der islamischen Religion unvereinbar, kam es bei seinen Gefolgsleuten schon bald zu einem Umdenken bei der militärischen Nutzung der Atomtechnik. Auslöser war das Trauma des irakisch-iranischen Krieges – eine halbe Million Tote und Zehntausende durch irakisches Giftgas verstümmelte Veteranen, die bis heute auf den Straßen der Islamischen Republik zu sehen sind.

"Auch eine Atombombe, wenn das nötig ist"

Gegen Ende des Krieges traf sich in der Stadt Kerman der damalige Chef der Revolutionären Garden, Mohsen Rezai, mit einem der führenden Kernphysiker des Landes. Wie sich der Experte erinnerte, sagte ihm Rezai damals, der Iran müsse sich mit allem bewaffnen, was für einen Sieg erforderlich sei – "auch eine Atombombe, wenn das nötig ist". Andere Kommandeure versicherten dem Forscher, der 1992 seiner Heimat den Rücken kehrte, die nötigen Haushaltsmittel stünden bereit.

Wohin danach die Reise ging, brachten 2002 erstmals exiliranische Kreise ans Tageslicht. In Natanz war eine geheime Anlage zur Urananreicherung entstanden, neben der vom Schah favorisierten Plutoniumabscheidung der zweite technische Weg, um eine Atombombe zu bauen. 2009 erfuhr die Weltöffentlichkeit von einer zweiten geheimen Anreicherungsanlage in Fordo, tief versteckt unter Felsen nahe der heiligen Stadt Qom. Verfügte der Iran beim Amtsantritt von Mahmud Ahmadinedschad 2005 gerade mal über 650 Zentrifugen, sind es heute 21.000, von denen 9.000 in industriellem Maßstab rund um die Uhr laufen.

Große Fortschritte durch den Reaktor Arak

Inzwischen besitzt Teheran gut zehn Tonnen niedrig angereichertes Uran plus 400 Kilogramm auf 20 Prozent angereichertes Uran, aus dem aus sich eine waffenfähige Konzentration von 90 Prozent technisch leicht erreichen lässt. Die Hälfte des brisanten Materials haben Teherans Atomtechniker bisher für den Einsatz in Brennstäben umoxidiert und damit als Bombenstoff unschädlich gemacht. Die andere Hälfte wird nach der Genfer Einigung vom Wochenende auf niedriges Niveau zurückverdünnt, die Neuanreicherung gestoppt.

Aber auch auf der Plutonium-Seite, dem einst vom Schah favorisierten Weg zur Atombombe, hat die Islamische Republik in den letzten Jahren mit dem Bau des Schwerwasserreaktors Arak große Fortschritte gemacht. Die Baustelle soll zunächst einmal stillgelegt und die Konstruktionspläne offengelegt werden. Gleichzeitig verpflichtet sich Teheran, keine Wiederaufbereitungsanlage zu errichten, mit der sich Plutonium aus verbrauchten Brennstäben extrahieren ließe.