In den Atomverhandlungen mit dem Iran könnte eine Einigung doch später kommen als gehofft: Hatten sich westliche Außenminister am Samstag noch optimistisch gezeigt, äußerte der iranische Unterhändler Abbas Aragschi am Abend Zweifel. Es sei nicht klar, ob die Streitpunkte schon ausgeräumt werden könnten. Aragschi sagte der Nachrichtenagentur Fars, die Verhandlungen seien "intensiv und schwierig", es werde um "Formulierungen gerungen".

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte, seine Delegation werde sich "überzogenen Forderungen definitiv widersetzen". Es hakt offenbar unter anderem in der Frage, welche Sanktionen gegen den Iran gelockert werden. Die westlichen Staaten wollen die Strafmaßnahmen gegen die iranischen Ölexporte und die Banken weiter aufrechterhalten, bis ein umfassendes Abkommen steht.  

Nachdem die Unterhändler der 5+1-Gruppe, der neben den fünf UN-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich auch Deutschland angehört, drei Tage lang mit den iranischen Vertretern verhandelt hatten, waren die Außenminister nach Genf gereist am Samstag, um die Gespräche zu übernehmen. Das hatte die Hoffnung genährt, dass eine Einigung kurz bevorstehe.

Ziel der Verhandlungen ist es, den Iran zu Zugeständnissen bei seinem Atomprogramm zu bewegen. Im Gegenzug bietet der Westen Erleichterungen bei den Sanktionen an, wie die Freigabe eingefrorener Bankguthaben.  Zunächst soll es dazu ein Übergangsabkommen geben.

Kerry will am Sonntag abreisen

Tagsüber schien eine Vereinbarung schon in Reichweite: Der chinesische Außenamtssprecher Hong Lei sprach vom "letzten Moment" der Verhandlungen. Auch aus französischen Diplomatenkreisen verlautete, es werde davon ausgegangen, dass die Verhandlungen auf der Zielgerade seien. 

Zwar sprach der britische Außenminister William Hague von "sehr schwierigen" Verhandlungen, doch auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle sah eine "realistische Chance" für eine Einigung, auch wenn es noch viel Arbeit gebe. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte: "Ich möchte eine Einigung – aber eine stabile Einigung – und ich bin hier, um daran zu arbeiten."

US-Außenminister John Kerry sagte, er wolle in Genf den Verhandlern helfen, ihre Differenzen zu schmälern. Kerry setzte für diese Verhandlungsrunde eine Frist: Er will am Sonntag nach London abreisen. Denkbar ist also, dass eine weitere Verhandlungsrunde angesetzt wird.

Fortschritt bei der Uran-Anreicherung

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und die EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton , die sich in den vergangenen Tagen mehrfach getroffen hatten, haben nach Angaben aus Diplomatenkreisen zumindest bei einem schwiereigen Punkt einen Fortschritt erzielt – und zwar in der Frage, ob der Iran selbst Atombrennstoff durch Uran-Anreicherung zu erzeugen darf.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen könnte die Kompromisslinie so aussehen: Ein Recht auf Anreicherung wird nicht explizit erwähnt,  man kommt dem Iran mit den Formulierungen im Abkommen aber so weit entgegen, dass dies für das Land akzeptabel wird.

Der Iran reichert Uran nach eigenen Angaben nur für die Verwendung als Nuklearbrennstoff sowie für die Medizin und die Forschung an. Der Westen verdächtigt das Land, an einer Atomwaffe zu arbeiten .