Mit pikanten Details hat das Mailänder Gericht die Verurteilung von Exministerpräsident Silvio Berlusconi im sogenannten Ruby-Prozess untermauert. Aus der schriftlichen Urteilsbegründung der Richter geht hervor, dass Berlusconi Zeugen bestochen und Beweismittel fingiert haben soll. Berlusconi sei die "systematische Fälschung von Beweisen" zur Last gelegt worden, zitiert die italienische Zeitung Republicca aus den nun veröffentlichten Gerichtsakten.

Die Richter bekräftigen zudem, dass der 77-Jährige eine "sexuelle Vorführung junger Frauen" organisiert habe, die bei sogenannten Bunga-Bunga-Partys darum gewetteifert hätten, Wünsche der Anwesenden zu erfüllen. "Der Regisseur der sexuellen Darbietungen der jungen Frauen war Berlusconi selbst", steht in dem Papier.

Dabei habe Berlusconi die minderjährigen Nachtklubtänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby Rubacuore (Ruby Herzensbrecherin) für Sex bezahlt. Es sei bewiesen, dass der Angeklagte Sex mit Ruby im Austausch für große Summen Geld und andere Vorteile wie etwa Schmuck hatte. Nach Ansicht der Richter gibt es keine Zweifel, dass Berlusconi von ihrer Minderjährigkeit wusste.

Die Repubblica schreibt, die Marokkanerin habe für ein Treffen um die 3.000 Euro erhalten. Zudem habe Berlusconi eingeräumt, ihr 57.000 Euro für die Eröffnung eines Beauty-Salons gegeben zu haben. Auch andere Mädchen seien mit Geld, Schmuck und Autos belohnt worden oder mit der Zahlung der Miete und Jobs bei seinem Medienkonzern. 

In dem Verfahren um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch war Berlusconi im Juni in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden , seine Anwälte haben aber Rechtsmittel eingelegt. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dürfte er auch keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden. Berlusconi selbst hat stets alle Vorwürfe zurückgewiesen.