Die vergangenen drei Jahre haben einen zuvor unvorstellbaren Wandel in Teilen der arabischen Welt, Afrikas und Asiens mit sich gebracht. Damit verbunden war eine politische Öffnung in einigen der repressivsten Gesellschaften der Welt. In Myanmar, wo nur fünf Jahre zuvor eine verbrecherische Junta die Erschießung von Mönchen in den Straßen befohlen hatte, erfolgte in den vergangenen zwei Jahren eine Transition zu einer zivilen Regierung. In Tunesien, Ägypten, Libyen und potenziell in Syrien wurden Autokraten durch Revolutionen aus ihren Ämtern gefegt.

Leider sind diese Entwicklungen irreführend. Denn in der Realität ist die Demokratie als Regierungsform weltweit im Rückgang begriffen. Während einige Staaten Afrikas, der Arabischen Welt und Asiens sich in den vergangenen zwei Jahren leicht geöffnet haben, sind in anderen Staaten, die einst als leuchtendes Beispiel für politischen Wandel galten, demokratische Systeme zusammengebrochen – und zwar bedauerlich oft. So berichtet Freedom House im aktuellen Jahresbericht, dass das globale Freiheitsniveau im Jahr 2012 zum sechsten Mal in Folge zurückgegangen ist.

Doch auch zuvor bereits autoritär regierte Staaten sind jüngst immer repressiver geworden. Dieser Trend ist am deutlichsten in den Staaten, die von Freedom House als Mittelfeld bezeichnet werden: In Entwicklungsländern und in Staaten, die eine Demokratisierung zwar begonnen haben, aber noch nicht als solide Demokratie gelten können. Diese Entwicklung wurde durch den Arabischen Frühling verstärkt. Denn die arabischen Aufstände verleiteten autokratische Regime wie etwa in China dazu, noch repressiver gegen ihre Bevölkerungen vorzugehen.

Ungarns Pressefreiheit erinnert an Sowjet-Zeiten

Doch es handelt sich um mehr als nur um einen kurzfristigen Trend. Im Vergleich zum Jahr 2000 wird deutlich, dass die Demokratieentwicklung seit Längerem weltweit stagniert. Freedom House verweist darauf, dass die Demokratie in der Periode von 2002 bis 2005 zwar ein wenig an Boden gewann, seit 2005 jedoch weltweit zurückgeht. "Unsere Berichte Freedom in the World haben seit ihrem ersten Erscheinen 1972 in der Regel breite Fortschritte aufgezeigt", berichtet Freedom House, "aber der Marsch der Freiheit erreichte am Anfang der 2000er ihren Höhepunkt".

Mit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings erhofften sich viele Demokraten, dass sich die Aufstände so wie die Revolutionen des Jahres 1989 auch auf andere Teile der Welt ausbreiten würden. Leider belegt ein Berg von Indizien die skeptischen Ergebnisse von Freedom House. So verweist etwa der Bertelsmann Transformationsindex darauf, dass "die Schlüsselkomponenten einer funktionierenden Demokratie, wie politische Partizipation und bürgerliche Freiheiten" eine "qualitative Erosion" erlitten haben.

Sogar Länder, die als demokratische Modelle gelobt wurden, haben sich über die letzten fünf bis zehn Jahre zurückentwickelt. So wurden Ungarn, Polen, die Tschechische Republik und die Slowakei in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren mit ihrem Eintritt in die Europäische Union als Erfolgsgeschichten betrachtet. Doch in ihrem Jahrzehnt als EU-Mitglieder haben sich diese neuen Mitglieder in Bezug auf ihr Demokratieniveau zurückentwickelt.

Populisten und rechtsgerichtete Parteien mit wenig Sinn für demokratische Werte haben an Popularität gewonnen. Öffentliches Unbehagen mit der Demokratie hat sich in diesen vermeintlichen Erfolgsgeschichten vervielfacht. In einer in der Fachzeitschrift Journal of Democracy erschienenen Studie aus dem Jahr 2007 beschreibt Ivan Krastev die zentraleuropäische Öffentlichkeit als die am stärksten demokratie-skeptische Region weltweit. In Ungarn ist dieser Rückschritt so deutlich, dass die Pressefreiheit in dem Land mittlerweile an Sowjet-Zeiten erinnert.