Im Streit um die missglückte Annäherung der Ukraine an die EU kritisieren Europas Spitzen Russland in ungewöhnlich deutlicher Form. Es habe "externen Druck" auf die Ukraine gegeben, schrieben EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer gemeinsamen Erklärung. "Wir missbilligen die russische Position und Handlungen in diesem Zusammenhang scharf."  

Die ukrainische Regierung hatte am vergangenen Donnerstag – nur eine Woche vor der geplanten Unterzeichnung –  ein ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU ausgesetzt. Anlass ist die Drohung Moskaus, die Handelsbeziehungen mit der Ukraine einzuschränken, sollte sich Kiew dem Westen zuwenden.

Das Angebot an die Ukraine sei noch auf dem Tisch, hieß es von der EU. Sie sagte dem Land mehr Offenheit und mehr Unterstützung zu, sollte es wieder verhandeln wollen. Eine Partnerschaft mit der EU würde langfristige Vorteile bringen, die nicht von kurzfristigen Erwägungen überlagert werden sollten. Das Abkommen sei "die bestmögliche Unterstützung für die wirtschaftliche Situation der Ukraine, den Reformkurs und die Modernisierung".

Am Sonntag hatten in der Ukraine Zehntausende Oppositionsanhänger für das Abkommen und die Annäherung der Ukraine an den Westen demonstriert, am Montag belagerten fast tausend Demonstranten das Regierungsgebäude in Kiew, die Polizei setzte Tränengas ein. "Die ukrainischen Bürger haben in den vergangenen Tagen abermals gezeigt, dass sie die historische Natur der Assoziierung mit der EU verstehen und begrüßen", hieß es dazu in dem Schreiben von Van Rompuy und Barroso.