Im Streit um das iranische Atomprogramm scheint eine Einigung möglich zu werden. Der Iran bot bei den Verhandlungen in Genf an, seine atomare Tätigkeit zu begrenzen, wenn der Westen im Gegenzug die Wirtschaftssanktionen lockert. Einem entsprechenden Vorschlag hätten die fünf UN-Vetomächte und Deutschland in Genf zugestimmt, sagte der iranische Chefunterhändler Abbas Araghchi laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens. "Heute haben sie deutlich gesagt, dass sie die vorgeschlagenen Rahmenbedingungen Irans akzeptieren", wird Araghchi zitiert.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte, er halte eine Übereinkunft "vor Abschluss der Verhandlungsrunde" am Freitagabend für möglich, sagte Sarif dem Fernsehsender CNN. Gleichzeitig betonte er, dass der Iran nicht bereit sei, die Anreicherung von Uran gänzlich zu stoppen. Auch ein Sprecher der EU-Delegation sagte, in den Verhandlungen gebe es Fortschritte.

Die USA deuteten unterdessen eine Lockerung der Sanktionen an. Sollte die Islamische Republik mit "konkreten, verifizierbaren Maßnahmen" auf die Bedenken der internationalen Gemeinschaft eingehen, würden die fünf UN-Vetomächte und Deutschland "begrenzte, gezielte und umkehrbare Erleichterungen" in Betracht ziehen, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, in Washington.

Bei den zweitägigen Gesprächen verhandelt der Iran in Genf wieder mit den USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland über sein Atomprogramm. Es ist die zweite Gesprächsrunde seit Mitte Oktober. Damals hatte der Iran das Angebot unterbreitet, seine Kapazitäten zur Uran-Anreicherung zu reduzieren, was als erster Fortschritt gewertet wurde.