Iranische Exil-Oppositionelle werfen der Staatsführung in Teheran vor, eine geheime Nuklearanlage zu bauen. Es gebe zuverlässige Informationen, dass die Regierung einen Komplex in einem Tunnel an der Hauptstraße zwischen den Städten Isfahan und Schiras errichte, berichtete der Nationale Widerstandsrat in Paris . Die Gruppe berief sich auf die Volksmudschahedin, die in der Islamischen Republik selbst aktiv sind.

Die Anlage trage den Codenamen "012" und umfasse einen 600 Meter langen Haupttunnel und mehrere bis zu 200 Meter lange Seitenstollen. Weitere Einzelheiten seien nicht bekannt. Die Nuklearanlage sei Teil eines ganzen Netzes geheimer Standorte.  

Der Zeitpunkt der Beschuldigung ist heikel: Die internationalen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm stehen an. Am Mittwoch kommen Vertreter des Irans und die fünf UN-Vetomächte und Deutschlands erneut in Genf zusammen, um über das Programm zu verhandeln.

Bei einem Treffen vor wenigen Tagen hatten sich die Teilnehmer angenähert, eine Einigung hatte es aber nicht gegeben . Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich nun zuversichtlich. Es gebe eine echte Chance, den Streit beizulegen, sagte Putin in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani .

Der in Paris ansässige Nationale Widerstandsrat enthüllte bereits im Jahr 2002, dass der Iran in Natans Uran anreichert und in Arak einen Atomreaktor baut. Experten weisen allerdings darauf hin, dass die Oppositionellen die Staatsführung in Teheran stürzen wollen. Zudem seien ihre Angaben nicht immer richtig gewesen. Bereits im Juli und Oktober hatte der Widerstandsrat erklärt, der Iran betreibe geheime Atomanlagen.

Der Westen wirft dem Iran vor, heimlich Atombomben zu entwickeln . Die Regierung in Teheran hat das zurückgewiesen und will das Nuklearprogramm nach eigener Darstellung für die Stromerzeugung nutzen.