Die Hoffnungen auf eine Einigung im Atomstreit mit dem Iran sind am Samstag Ernüchterung gewichen. Ein Durchbruch galt nach Auskunft mehrerer Teilnehmer als fraglich, obwohl Außenminister der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands persönlich mit der Teheraner Regierung über die Zukunft des iranischen Atomprogramms und der westlichen Sanktionen diskutierten. Es gebe noch große Hürden, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius . Der Iran sprach von Uneinigkeit in Einzelfragen, deren Erörterung vertagt werden könnte. 

Sollte es am Samstag nicht zu einer Einigung kommen, könnten die Gespräche in einer Woche bis zehn Tagen fortgesetzt werden, sagte Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Nach jahrelangem Stillstand war zuvor überraschend Bewegung in die Verhandlungen gekommen, mit denen der Westen den Iran von seinem umstrittenen Atomprogramm abbringen will.

Es gebe keine Garantie, dass es zu einer Vereinbarung komme, sagte Fabius. Auch müssten Sorgen von Israel und anderen Ländern in der Region ernst genommen werden. Auch der Iran dämpfte Hoffnungen auf einen Durchbruch: Die Meinungsunterschiede bei einigen wichtigen Themen seien noch groß, sagte Vizeaußenminister Abbas Arakchi iranischen Medien zufolge. Er rechne damit, dass die aktuellen Verhandlungen an diesem Samstag zu Ende gehen und noch offene Fragen in einer nächsten Runde besprochen würden.

Streitpunkte waren Beobachtern zufolge vor allem noch die Forderung des Westens an den Iran, einen potenziell zur Produktion von waffenfähigem Uran geeigneten Atommeiler abzuschalten. Auch die Zukunft der iranischen Uran-Vorräte und die Details einer Lockerung der Sanktionen gegen das ölreiche Land waren umstritten.

Die deutliche Warnung Frankreichs vor überhöhten Erwartungen an die Verhandlungen mit dem iranischen Außenminister Sarif interpretierten einige aus dem Umkreis der Verhandlungen als Zeichen für eine Spaltung des westlichen Lagers. Frankreich wolle sich kurz vor einem Abschluss der von den USA, der EU und dem Iran über Monate vorangetriebenen Annäherung noch einmal in den Vordergrund spielen, kritisierte ein westlicher Diplomat.

Iranische Abgeordnete warfen Frankreich eine Blockade der Verhandlungen vor. Der Sprecher des Auswärtigen Ausschusses, Hossein Taghawi, sagte, Frankreich handele "erpresserisch" und verteidige "die Position des zionistischen Regimes". Der konservative Abgeordnete Esmail Kossari beschuldigte Frankreich ebenfalls, die Interessen Israels zu vertreten, womit es im Iran mit Blick auf die Verhandlungen für "Pessimismus" sorge. Die Nachrichtenagentur Irna berichtete ihrerseits, Fabius "blockiere" eine Einigung in Genf.

Zusätzliches Abkommen mit Atomenergieagentur geplant

Die jüngsten Verhandlungen der sogenannten 5+1-Gruppe mit dem Iran hatten am Donnerstag in Genf begonnen. An den Gesprächen nahmen auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie die Außenminister aus Berlin, Paris und London, Guido Westerwelle, Laurent Fabius und William Hague teil.  

Zusätzlich zu den Verhandlungen mit der Gruppe will der Iran nach eigenen Angaben am Montag ein Abkommen mit der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) abschließen. Der Iran habe "einen neuen Vorschlag mit konkreten Maßnahmen vorgestellt" und plane, diesen Text während des Besuchs von IAEA-Chef Yukiya Amano in Teheran zum Abschluss zu bringen, sagte der iranische IAEA-Botschafter Resa Nadschafi im Staatsfernsehen.

Der Iran beteuert, dass sein Atomprogramm rein friedlichen Zwecken diene. Der Westen zweifelt daran unter anderem deshalb, weil Teheran Uran höher anreichert, als dies zur Energiegewinnung nötig wäre. Die Urananreicherung ist ein Knackpunkt der Verhandlungen, ebenso die Wirtschaftssanktionen gegen das Land.

US-Präsident Barack Obama informierte den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu am Freitag über den Fortgang der Gespräche. Obama habe Netanjahu angerufen, um mit ihm über "unsere andauernden Bemühungen um eine friedliche Lösung" des Konflikts um das Teheraner Nuklearprogramm zu sprechen, teilte das Weiße Haus mit. "Der Präsident brachte den Ministerpräsidenten auf den neuesten Stand (…) und unterstrich seine starke Verpflichtung, den Iran an einem Atomwaffenbesitz zu hindern", hieß es weiter. Das sei das Ziel der Genfer Gespräche.

Netanjahu hatte zuvor sein tiefes Misstrauen gegenüber den iranischen Absichten bekräftigt und erklärt, Israel werde sich nicht durch eine mögliche Vereinbarung der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran binden lassen.