Seit Juli dieses Jahres gehört Kroatien der Europäischen Union an, und vor dem Beitritt hatte sich die Mitte-links-Regierung alle Mühe gegeben, sich als reif dafür zu erweisen: Obwohl die Nationalisten immer wieder auf die Straße gingen, schenkte Zagreb ihnen kein Gehör. Man wollte zeigen: Die Rechte ethnischer Minderheiten stünden nicht infrage, die eigene Verfassung müsse geachtet werden. 

Doch immer wieder zeigt sich, dass die Treue zur Verfassung die Realität nicht automatisch ändert. Erst recht nicht, wenn sich die Katholische Kirche auf die Seite der Nationalisten stellt. Einige Nichtregierungsorganisationen werfen kroatischen Bischöfen inzwischen vor, Ressentiments gegen die serbische Minderheit, die überwiegend der Orthodoxie zugehört, zu schüren. Nun haben sie sich an den Papst gewandt.

Anlass der Konflikte ist eine scheinbare Nebensächlichkeit: Beschilderungen in kroatischer und serbischer Schrift. Besonders in der ostkroatischen Stadt Vukovar, die vielen kroatischen Nationalisten als Symbol für ihren Selbstbehauptungswillen während des Bürgerkriegs gilt, entzünden sich daran immer wieder heftige Auseinandersetzungen. 

Seit Vukovar 1991 zu Beginn des beinahe vier Jahre währenden Kroatienkrieges von Serben beinahe vollständig zerstört worden war, entzünden sich hier immer wieder Konflikte zwischen kroatischen Nationalisten und der serbischen Minderheit. Schon kurz vor Kroatiens EU-Beitritt lebte die Kriegsrhetorik dort wie im ganzen Land wieder auf. Im vergangenen November haben die Nationalisten den Freispruch des Exgenerals Ante Gotovina vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal gefeiert. 

Der Anlass der Auseinandersetzungen zwischen Kroaten und Serben, der die Bewohner von Vukovar seit einigen Monaten umtreibt, mag profaner als jener Freispruch wirken, doch er bewegt die Gemüter: Vor allem Veteranenverbände im ganzen Land lehnen sich gegen kyrillische Schriftzeichen auf Schildern in Vukovar auf.