Risikominimierung, langjährige maritime Erfahrung, Einsatz von Profis: Die Result Group aus Grünwald bei München wirbt auf ihrer Homepage diskret um Kunden für den Schutz vor Seeräuberattacken. Der Dienstleister bietet Reedereien den Einsatz bewaffneter Wachleute an Bord von Handelsschiffen an – seit Anfang September mit staatlichem Siegel. Er hat vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) als erste Firma eine Zulassung für den Einsatz auf Seeschiffen unter deutscher Flagge bekommen. Die neue Seeschiffbewachungsverordnung, die seit Juni in Kraft ist, schreibt vor, dass ab dem 1. Dezember 2013 nur noch vom Bafa lizenzierte Sicherheitsfirmen deutsche Handelsschiffe schützen dürfen.

Der Bedarf an geprüften Wachleuten ist in der Schifffahrtsbranche groß. "Wir begrüßen sehr, dass das erste Sicherheitsunternehmen lizenziert wurde", sagt Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder (VDR) im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Mittlerweile fährt praktisch kein Handelsschiff mehr durch das Hochrisikogebiet vor Somalia ohne Wachleute an Bord." Die Zulassung der Sicherheitsfirmen bietet den Reedereien nun einen rechtlichen Rahmen für den Einsatz von Bewaffneten. Es sei so auch ausgeschlossen, dass "Rambos" an Bord kämen. "Die Verordnung enthält zahlreiche Anforderungen, die von den Sicherheitsunternehmen erfüllt werden müssen. Jeder Einsatz muss sorgfältig geplant und dokumentiert werden. Bei den Mitarbeitern werden die persönliche Eignung sowie notfallmedizinische und rechtliche Kenntnisse vorausgesetzt", teilt der VDR mit. "Der Einsatz von Schusswaffen ist nur zur Notwehr oder Nothilfe erlaubt." Allein die Anwesenheit bewaffneter Wachleute reiche aus, um abzuschrecken und Seeräuber von Überfällen abzuhalten.

Der Reederverband sieht zum Einsatz der Wachleute keine Alternative: Bislang sei kein Schiff von Piraten gekapert worden, das von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wurde, heißt es dort. Die neuen deutschen Standards seien an internationale Vorgaben angepasst, auch ausländische Unternehmen könnten sich um Lizenzen bewerben. Bei den Behörden lägen weitere Anträge vor. "Wir erwarten, dass es bis Dezember genügend lizenzierte Anbieter gibt, damit die deutsche Seefahrt alle ihre Schiffe schützen lassen kann."

Profis aus internationalen Spezialeinheiten

Auch die Männer der Result Group gehen bewaffnet an Bord. In der Vergangenheit nutzten die Bewacher in der Region gekaufte Waffen, berichtet ein Insider. Nun schreibt das Gesetz vor, dass keine Gewehre verwendet werden dürfen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, automatische Waffen sind damit tabu. Erlaubt sind jedoch großkalibrige, halbautomatische Gewehre, sie unterscheiden sich von Kriegsgerät, das für Soldaten entwickelt wurde, nur dadurch, dass sie keinen Autofeuermodus besitzen.   

Geübte Schützen können aber auch mit der zivilen Variante der Kriegswaffe einen Überfall abwehren, in dem sie Löcher in Schlauchboote der Piraten schießen oder Motoren zerstören. Und seriöse Sicherheitsunternehmen setzen ausschließlich Profis ein, die von der Bundeswehr, anderen Streitkräften und Sonderkommandos ausgebildet wurden. "Das Result-Group-Team besteht aus ehemaligen Angehörigen internationaler Spezialeinheiten", heißt es bei dem bayerischen Unternehmen. "Mit unseren maritimen Sicherheitskonzepten und Services sowie deren operativer Umsetzung vermindern Sie bestehende Risiken eines Piratenangriffes und managen eventuell auftretende Krisen professionell."