Wegen der fortgesetzten "Einmischungen" seines Landes in interne Angelegenheiten, hat das Außenministerium in Kairo den türkischen Botschafter aufegfordert, auszureisen. Hüseyin Avni Botsali werde ausgewiesen und zur "unerwünschten Person" erklärt. Umgekehrt solle auch der am 15. August aus der Türkei abgezogene Botschafter Ägyptens nicht mehr nach Ankara zurückkehren. Diplomatische Angelegenheiten zwischen beiden Ländern soll künftig  ein niederrangiger Geschäftsträger erledigen. 

Damit erreichen die Spannungen, die seit dem Sturz des islamistischen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli zwischen den Ländern gewachsen waren, einen neuen Höhepunkt. Der türkische Präsident Abdullah Gül sagte, er hoffe, dass die Beziehungen dennoch bald wieder hergestellt würden.

Die moderat islamistische Regierungspartei AKP des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan war ein starker Unterstützer Mursis und bezeichnete die demokratische Wahl eines Islamisten als Vorbild für andere Länder der arabischen Welt. Die türkische Regierung verurteilte anschließend nicht nur den Sturz Mursis, sondern auch die seiner Ansicht nach zu zurückhaltende Reaktion des Westens auf den Militärputsch.

Die Türkei und Ägypten hatten ihre Botschafter im jeweils anderen Land bereits im August schon einmal abgezogen. Der türkische Botschafter kehrte wenige Wochen später zurück, aber Ägypten hat seinen bisher nicht wieder nach Ankara geschickt.

Erdoğan beklagt "humanitäres Drama" in Ägypten

In der Erklärung des Außenministeriums in Kairo hieß es weiter, die Türkei versuche unter anderem, die internationale Gemeinschaft gegen Ägyptens Interessen zu wenden. Außerdem treffe sie Aussagen, die nur als "Beleidigung des Volkswillens" beschrieben werden könnten.

Auslöser für die Entscheidung den türkischen Botschafter gerade jetzt auszuweisen, könnte die jüngste Kritik Erdoğans am Verfahren gegen Mursi sein. Er hatte die Lage in Ägypten als "humanitäres Drama" bezeichnet. Bereits zuvor hatte er von "schlimmen Massakern" an "friedlichen" Demonstranten in Kairo gesprochen und den vom Militär herbeigeführten Machtwechsel als "Staatsstreich" bezeichnet.

Das Außenministerium in Ankara drohte mit eigenen "Gegenmaßnahmen", ohne diese zunächst näher zu erläutern. Zuvor solle noch mit dem aus Kairo ausgewiesenen Botschafter beraten werden, sagte ein Ministeriumssprecher.