Pakistan hat aus Protest gegen den tödlichen Drohnenangriff der USA auf den Taliban-Führer Hakimullah Mehsud den Botschafter der Vereinigten Staaten einbestellt. Innenminister Chaudhry Nisar warf den USA vor, die Bemühungen seiner Regierung um einen Dialog mit den Extremisten zu sabotieren. Deswegen werde nun "jeder Aspekt" der Zusammenarbeit mit den USA auf den Prüfstand gestellt. "Die pakistanische Regierung sieht diesen Drohnenangriff nicht als Angriff auf ein Individuum, sondern als Angriff auf den Friedensprozess", sagte Nisar.

Nach Nisars Angaben sollte eine offizielle Delegation von Geistlichen am Samstag zu den Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) aufbrechen, um ihnen die formelle Einladung zu Friedensgesprächen zu übergeben. Nur 18 Stunden zuvor sei dann der Drohnenangriff erfolgt. "Wir haben in den vergangenen sieben Wochen versucht, Stein für Stein einen Prozess zu bauen, der dem Land Frieden bringen könnte", sagte Nisar. Nun hätten die USA dies ruiniert. Das Außenministerium teilte mit, die Regierung sei entschlossen, die Friedensgespräche mit den Taliban fortzusetzen.

Nisar sagte, er habe den US-Botschafter zuvor gebeten, keine Drohnenangriffe fliegen zu lassen und auf keine Taliban-Führer zu zielen, solange sich die Regierung um einen Frieden mit den Taliban-Kämpfern bemühe. Auf die Frage, ob die USA den Friedensprozess absichtlich ruinieren wollten, antwortete er: "Absolut". Die Bemühungen seien torpediert worden.    

Ein Sprecher der Provinzregierung von Khyber Pakhtunkhwa sagte, das Provinz-Parlament werde am Montag darüber abstimmen, ob die Nachschubwege der  Nato-Truppen nach Afghanistan gekappt werden sollten. Eine der wichtigsten Versorgungsrouten läuft über den Khyber-Pass.

Neuer Taliban-Chef bestimmt

Zum Nachfolger Mehsuds ernannten die Taliban bei einer Ratsversammlung den TTP-Vizechef Khan Said Sajna, sagte ein TTP-Kommandeur.  Der neue Anführer ist aber offenbar nicht unumstritten. Einige Gruppen in der TTP würden gegen den Ratsbeschluss aufbegehren, sagte der Taliban-Kommandeur.

Mehsud und vier weitere getötete Extremisten sind an verschiedenen Orten in den Stammesgebieten beerdigt worden. Aus Furcht vor weiteren Drohnenangriffen wurde Mehsud am frühen Morgen im Schutz der Dunkelheit in der Stadt Miranshah beigesetzt. Ein Sprecher der Taliban drohte mit Vergeltung: "Jeder Tropfen seines Blutes wird sich in einen Selbstmordattentäter verwandeln." Kämpfer gaben Schüsse auf Drohnen ab, die über der Hauptstadt der Provinz Nord-Waziristan kreisten, berichteten Einwohner.

Pakistans im Frühjahr gewählter Premierminister Nawaz Sharif hatte zuletzt die Bemühungen verstärkt, mit den Islamisten ins Gespräch zu kommen. Vor gut einer Woche forderte er bei einem Besuch in Washington US-Präsident Barack Obama erneut auf, die Drohnenattacken einzustellen.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Die USA machen Mehsud unter anderem für einen tödlichen Selbstmordangriff auf ein CIA-Lager in Afghanistan verantwortlich. Sie hatten eine Prämie von fünf Millionen Dollar (3,6 Millionen Euro) für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen. "Mehsud hat mehrere TTP-Angriffe gegen Personal und Interessen der USA in und außerhalb der Region organisiert und gesteuert", hieß es zur Begründung auf der Website des " Rewards for Justice "-Programms.

Nach dem US-Angriff wurden die Sicherheitsvorkehrungen besonders an Flughäfen und anderen zentralen Einrichtungen in Pakistan verschärft. Aus Angst vor Vergeltungsanschlägen wurden in Städten an der Grenze zu den Stammesgebieten Soldaten stationiert.