In mehreren ägyptischen Städten ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anhängern der islamistischen Muslimbruderschaft gekommen. Dabei seien landesweit drei Menschen getötet worden, teilte das Innenministerium mit. 265 Demonstranten seien festgenommen worden.

Auch in der Hauptstadt Kairo kam es zu Krawallen. Die Polizei ging dort mit Tränengas gegen Demonstranten auf dem Campus der Al-Azhar-Universität vor, die die Einsatzkräfte ihrerseits mit Steinen bewarfen. In zwei Kairoer Vororten wurden Protestveranstaltungen ebenfalls durch den Einsatz von Tränengas aufgelöst. Auch in anderen Städten wie etwa Ismailia am Sueskanal und Damietta im Nildelta kam es zu Ausschreitungen.

Die Übergangsregierung hatte die Muslimbrüder von Expräsident Mohammed Mursi am Mittwoch zu einer terroristischen Vereinigung erklärt . Ein Sprecher des Innenministeriums teilte mit, jeder, der künftig an Protesten der Muslimbrüder teilnehme, müsse mit fünf Jahren Gefängnis rechnen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisierte, dass die Behörden die Muslimbruderschaft als terroristische Gruppe behandeln.

Muslimbrüder rufen zur Woche des Zorns auf

Die Bruderschaft hatte ihre Anhänger zu einer Woche des Zorns von Freitag an aufgefordert, um gegen den Regierungsbeschluss zu protestieren. Unklar ist bislang, wie viele Menschen sich wegen der Androhung von verschärften Strafen beteiligen werden.

Die 1928 gegründete Bruderschaft galt bis vor Kurzem als die am besten organisierte politische Kraft in Ägypten. Sie schätzt die Zahl ihrer Mitglieder auf bis zu einer Million. Seit ihrem faktischen Verbot im September gehen die ägyptischen Einsatzkräfte massiv gegen die Islamisten vor . Hunderte ihrer Mitglieder wurden bei Auseinandersetzungen getötet. Derzeit sind zudem Tausende Muslimbrüder inhaftiert, darunter ein Großteil der Führung.

Mursi, der im Juli vom Militär gestürzt worden war, ist wie andere führende Muslimbrüder wegen Terrorismus und Verschwörung mit ausländischen Gruppen angeklagt . Ihnen droht die Todesstrafe. Mursi war der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens. In wochenlangen Massenprotesten wurde ihm eine schleichende Islamisierung des Landes vorgeworfen.