Der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 kann möglicherweise nicht fortgesetzt werden. Einem Bericht der Washington Post zufolge gibt es starke Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Jemeniten Ramzi Binalshibh, der im US-Marinestützpunkt Guantánamo auf Kuba inhaftiert ist.

Vor einer Woche ordnete ein Militärrichter das vorläufige Ende des Verfahrens gegen den 41-Jährigen an. Erst jetzt wurde das Ergebnis eines psychologischen Gutachtens von 2009 bekannt, das Binalshibh Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt und in Zweifel zieht, ob er in der Lage ist, einem Gerichtsprozess zu folgen. Das Militärgericht hatte solche Hinweise auf den Geisteszustand des Angeklagten bisher nicht beachtet. Sein laut Washington Post "unkontrolliertes" Verhalten im Gerichtssaal hat jetzt wohl zu einer anderen Einschätzung geführt.

Im Januar 2009 hatte Xavier Amador, Professor an der Columbia University in New York, mit dem Inhaftierten drei Tage lang Interviews geführt. Binalshibh habe nicht verstanden, was mit ihm geschehe, und leide an Wahnvorstellungen. Seine Anwälte behaupten, dass dies auf seinen jahrelangen Aufenthalt in CIA-Gefängnissen und auf Folter zurückzuführen sei. Sie versuchen zu beweisen, dass Ärzte ihm bereits 2008 Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie verschrieben hätten.

Binalshibh wird eine Schlüsselrolle in der Vorbereitung der Attentate vom 11. September 2001 zugeschrieben. Er war Teil der Hamburger Zelle von Al-Kaida und soll eng mit den Flugzeugentführern um Mohammed Atta zusammengearbeitet haben; nur weil er kein Visum für die USA bekam, war er nicht direkt an den Anschlägen in New York und Washington beteiligt.