Die Schweiz hat dem freigelassenen Putin-Kritiker Michail Chodorkowski ein Visum für drei Monate erteilt. Dieses ermögliche den Aufenthalt im Schengen-Raum während dieser Zeit, teilte die schweizerische Botschaft in Berlin mit. Weitere Angaben machte die Botschaft nicht.

Der 50-Jährige hatte in der vergangenen Woche bei der Botschaft ein Schengen-Visum beantragt. Der ehemalige Ölunternehmer war zuvor nach jahrelanger Haft von Russlands Staatschef Wladimir Putin begnadigt worden und überraschend nach Berlin ausgereist. Russlands Oberstes Gericht will nun die Prozesse überprüfen, die zu seiner Verurteilung geführt hatten.

Inhaber eines Schengen-Visums können sich in den 26 Staaten des Abkommens bis zu 90 Tage pro Halbjahr aufhalten. Chodorkowskis Frau Inna und die Zwillingssöhne Gleb und Ilja leben in der Schweiz, die gemeinsame Tochter Anastasia in Moskau. Der Putin-Kritiker, der als Ölunternehmer zum reichsten Mann Russlands geworden war, hat Schweizer Medien zufolge einen Teil seines Vermögens auf Schweizer Konten. In der Sonntagszeitung ist von "mindestens 200 Millionen Schweizer Franken" (rund 166 Millionen Euro) die Rede.

Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Jukos war 2003 festgenommen und zwei Jahre später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Ihm drohten in Russland noch weitere Verfahren, so dass ein Ende seiner Haft nicht absehbar war. 

Die Gerichtsverfahren gegen ihn waren vom Westen als politisch motiviert kritisiert worden. Noch immer sind ehemalige Geschäftspartner Chodorkowskis in Russland inhaftiert.