Das Verhältnis zwischen Russland und der EU ist wegen des Streits über den Umgang mit der Ukraine zunehmend angespannt. Bei einem Treffen mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow äußerten die Außenminister der EU deutliche Kritik an der Regierung in Moskau . So wies etwa Außenminister Guido Westerwelle Kritik zurück, Russland nicht eingebunden zu haben. "Wir sind der Überzeugung, wenn die Europäische Union die Ukraine einlädt, sich in Richtung Europa zu entwickeln, dann ist es ja nicht angemessen, dass wir vorher um die Genehmigung von Dritten bitten", sagte Westerwelle nach dem Treffen. 

Zudem habe es auch während der Verhandlungen des Assoziierungsabkommens der EU mit der Ukraine "immer wieder Gespräche mit Russland gegeben". Westerwelle nannte das Gespräch mit Lawrow "offen" und "wichtig". Es sei wichtig, "dass wir diesen Austausch zwischen Europa und Russland weiter pflegen, auch wenn wir ganz erkennbar offensichtlich in verschiedenen Bereichen Meinungsunterschiede mit Russland haben". EU-Diplomaten sagten, dass sich beide Seiten mit ihrer Kritik am Gegenüber während des Treffens nicht zurückhielten.

Lawrow zeigte sich nach dem Treffen in Brüssel wortkarg. "Es war unser gemeinsames Verständnis, dass jeder die Souveränität jedes anderen Landes einschließlich der Ukraine respektieren sollte. Und jeder sollte den Völkern die freie Entscheidung erlauben, wie sie ihr Land entwickeln wollen, wie sie ihren Staat entwickeln wollen", sagte er.

"Fehlinformationen und blanke Lügen"

Bereits vor dem Gespräch hatten die Außenminister mehrerer EU-Staaten den Druck Russlands auf die Ukraine heftig kritisiert. "Natürlich ist das eine Belastung der Beziehungen zwischen der EU und Russland", sagte der britische Außenminister William Hague . Sein schwedischer Kollege Carl Bildt warf der russischen Regierung vor, mit wirtschaftlichem und politischem Druck die Ukraine von der Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der EU abgehalten zu haben. "Das hat Auswirkungen auf unsere Beziehungen, denn wir haben erlebt, dass Russland eine ziemlich breite Propagandakampagne auf der Grundlage von Fehlinformationen und manchmal blanken Lügen gegen das Assoziierungsabkommen begonnen hat", sagte Bildt.

"Die Ukraine sollte selbst über ihre Zukunft entscheiden können. Wir sollten nicht dieses Spielchen mit der Schaffung von Einflusszonen spielen", sagte der niederländische Außenminister Frans Timmermans. "Es ist klar, was die Bürger der Ukraine wollen." Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn sagte auf die Frage, ob die Krise in der Ukraine einen negativen Einfluss auf die Beziehungen zwischen EU und Russland habe: "Hat sie, ja. Das kann man nicht bestreiten." Die Regierung in Moskau sollte verstehen, dass das Abkommen mit Kiew nicht gegen Russland gerichtet sei.

Die Ukraine hatte im November unerwartet angekündigt, ein seit Jahren vorbereitetes Assozierungsabkommen und einen Freihandelsvertrag doch nicht zu unterzeichnen. Diese Abkehr verkündete Präsident Viktor Janukowitsch, nachdem die Regierung in Moskau offenbar massiven Druck ausgeübt hatte. Janukowitsch löste damit anhaltende innenpolitische Proteste aus – und eine Diskussion der EU über ihr Verhältnis zu Russland.

Ebenso wie die anderen Außenminister unterstrich auch Westerwelle, dass die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens durch die Ukraine aber nach wie vor möglich sei. Es gebe "immer noch eine gewisse Hoffnung" darauf, sagte er. "Die Tür zur Europäischen Union steht weiter für die Ukraine offen."