Bei der Europawahl im Mai zeichnet sich ein Duell prominenter Politiker ab: Der ehemalige luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker wird den Deutschen Martin Schulz , derzeit EU-Parlamentspräsident und Spitzenkandidat der europäischen Sozialisten, herausfordern. Juncker sagte der französischen Tageszeitung Le Monde , er sei bereit, als Spitzenmann der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) anzutreten.

Schulz ist als Kandidat der Sozialisten bereits gekürt. Der Wahlsieger hat Chancen auf die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso . Dieser wird nicht von den Wählern bestimmt, sondern von den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten. Dabei sollen sie das Ergebnis der Europawahl "berücksichtigen", das Europaparlament muss den Kandidaten bestätigen.   

Die Idee für die Aufstellung europäischer Spitzenkandidaten bei der Europawahl hat bei den Konservativen an Rückhalt gewonnen, seitdem die Sozialisten Schulz zu ihrem Spitzenmann bestimmt haben. Auf einem Treffen im belgischen Meise beschlossen die Parteien, einen gemeinsamen Spitzenkandidaten zu bestimmen. An dem Treffen nahm auch CDU-Chefin Angela Merkel teil. Bewerber für das Amt könnten sich bis Ende Januar melden. Gibt es mehr als einen Kandidaten, soll die Entscheidung auf einem gemeinsamen Kongress im März fallen.

Der deutsche Europapolitiker Elmar Brok sagte mit Blick auf die Nachfolge Barrosos: "Es ist klar, dass der gemeinsame Kandidat erste Wahl für die Besetzung dieses Postens ist." Allerdings sei dies nicht zwangsläufig. Denn möglicherweise erfordere die nötige Mehrheitsbildung unter den 28 EU-Regierungen und den Parteienfamilien auch eine Einigung auf einen anderen Kandidaten.

Schulz begrüßte die EVP-Entscheidung und sprach von einer "parlamentarischen Europäisierungsdynamik", weil nun alle großen Parteienfamilien mit gemeinsamen Spitzenkandidaten anträten.