Im Rahmen der Nahost-Friedensgespräche hat Israel 26 palästinensische Langzeithäftlinge aus dem Gefängnis entlassen. Busse mit Gefangenen verließen in der Nacht zum Dienstag mehrere Haftanstalten in Richtung Westjordanland und Gazastreifen. Dort wurden die Männer freudig empfangen. Sie hatten zwischen 19 und 28 Jahre im Gefängnis verbracht, die meisten von ihnen waren wegen der Tötung von Israelis verurteilt worden – fast alle vor der Unterzeichnung der ersten Friedensabkommen vor 20 Jahren.

Auch der palästinensische Präsident Mahmud Abbas wartete vor seinem Amtssitz in Ramallah auf die Heimkehrer. "Es ist ein glücklicher Tag für uns alle und die heldenhaften Gefangenen, die heute freigekommen sind, um als freie Menschen zu leben", sagte er. Er wolle weiter auf die Freilassung von Häftlingen drängen. "Wir werden keinen endgültigen Friedenspakt mit Israel unterzeichnen, bevor nicht alle Gefangenen frei sind", sagte Abbas. Das sind derzeit knapp 5.000.

"Es fühlt sich an, wie aus dem Sarg zu steigen und ins Leben zurückzukehren", sagte einer der früheren Häftlinge, der von seiner 30-jährigen Haftstrafe 21 Jahre abgesessen hat. Der Cousin eines Freigelassenen sagte: "Er und alle anderen Häftlinge sind Helden, wir sind stolz auf sie."

Israel hatte im Sommer zugesagt, in vier Etappen insgesamt 104 Langzeithäftlinge freizulassen . Mit den 26 Palästinensern wurde die dritte Gruppe entlassen. 18 von ihnen kehrten ins Westjordanland zurück, fünf nach Ostjerusalem und drei in den Gazastreifen.

"Tod den Terroristen"

Am Montag hatte Israels höchstes Gericht eine Klage von Familien von Anschlagsopfern gegen die Entlassung abgewiesen. Hunderte Menschen protestierten in Jerusalem gegen die Entscheidung. Sie riefen "Keine Freilassung von Mördern" und "Tod den Terroristen". 15 von ihnen durften mit Genehmigung der Polizei vor dem Haus eines der freizulassenden Gefangenen in Ost-Jerusalem protestieren.

Die Friedensgespräche waren im Juli nach einer dreijährigen Pause wieder aufgenommen worden . Maßgeblich beteiligt daran war US-Außenminister John Kerry, der am Donnerstag erneut in der Region erwartet wird. Sein Ministerium nannte die Freilassung der Gefangenen einem "positiven Schritt". Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen für Fortschritte in den Verhandlungen. Israelischen Regierungskreisen zufolge ist der Bau neuer Wohnungen in Siedlungen im Westjordanland geplant. Nach Aussage der Palästinenser würde das zum Scheitern der Verhandlungen führen .  

Wenige Stunden vor der Freilassung der Häftlinge feuerten militante Palästinenser erneut eine Rakete aus dem Gazastreifens ins israelische Grenzgebiet. Dabei gab es weder Verletzte noch Sachschaden.