Trotz der Vermittlungsversuche von US-Vizepräsident Joe Biden will China im Konflikt um seine Militärzone nicht nachgeben. Das Außenministerium in Peking erteilte jeglichen Kompromissen eine Abfuhr und bezeichnete die Luftraumüberwachung im Ostchinesischen Meer als Selbstverteidigung. "Das müssen die USA respektieren", forderte Ministeriumssprecher Hong Lei zum Abschluss des Biden-Besuches in Peking.

Der US-Vizepräsident hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Mittwoch dringend aufgefordert, den Konflikt zu entschärfen . "Wir erkennen die Zone nicht an und sind tief besorgt", sagte er nach US-Angaben in den insgesamt mehr als fünfstündigen Gesprächen.

Militärisch halten sich die USA, die zuletzt B-52-Bomber in das umstrittene Gebiet geschickt hatten, nicht zurück: Von Sonntag an wollen sie, Großbritannien und Südkorea ein zweitägiges Manöver abhalten. Die Übungen vor der südkoreanischen Küste seien nicht gegen China gerichtet und bereits seit langer Zeit geplant, teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium mit.

Biden kritisiert China offen

Obwohl Bidens Beziehung zu Chinas Präsident Xi als ausgesprochen gut gilt, sprach der US-Vizepräsident sehr direkt den Mangel an Pressefreiheit an, öffentlich und im direkten Gespräch mit Xi. US-Journalisten hatten ihm von Behinderungen durch die chinesischen Behörden berichtetet. Einige von ihnen könnten sogar gezwungen werden, das Land zu verlassen – ein Schritt, der von vielen als Vergeltung für kritische Berichte über die Regierung gesehen wird.

Biden sagte dazu: "Innovation gedeiht dort, wo Menschen frei atmen, frei sprechen und die Rechtgläubigkeit infrage stellen können und Zeitungen ohne Furcht vor Konsequenzen die Wahrheit berichten können", sagte er. "Wir haben einige große Meinungsverschiedenheiten, und zu diesen Themen zählt derzeit die Behandlung von US-Journalisten."

Die chinesische Seite reagierte prompt: "Über die vergangenen Jahre haben wir eine sehr angenehme Umgebung für ausländische Journalisten geschaffen, die aus China berichten", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei. Im Umgang mit ausländischen Medien halte sich die Regierung an die geltenden Gesetze.

US-Lenkwaffenkreuzer "Shiloh" im Einsatz

Zum Abschluss seiner einwöchigen Ostasienreise traf der US-Vizepräsident am Abend beim Verbündeten Südkorea ein. Am Freitag will er mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye über Chinas Militärzone und Nordkoreas Atomprogramm reden. Dabei dürfte auch das gemeinsame Manöver ein Thema sein.

Beteiligt sind neben zwei Zerstörern der britischen und südkoreanischen Marine auch der Lenkwaffenkreuzer Shiloh der US-Seestreitkräfte. Die Schiffe seien im Hafen der südöstlichen Küstenstadt Pusan eingetroffen, hieß es weiter in der Mitteilung des Ministeriums. In dem aufgeheizten Konflikt wird jeder Schritt aufmerksam verfolgt. Einen Kommentar zu dem Manöver lehnte das Außenministerium in Peking jedoch ab.

China hatte am 23. November eine "Identifikationszone zur Luftverteidigung" (ADIZ)  in dem mit Japan strittigen Meeresgebiet ausgerufen. Die Regierung in Peking verlangt, dass sich ausländische Flugzeuge in der Zone anmelden, identifizieren und den Anweisungen ihrer Luftwaffe folgen. 55 Airlines sind den Forderungen laut Peking bereits nachgekommen. Die Lage in dem Gebiet ist angespannt, weil sowohl Japan als auch China Ansprüche auf eine Inselgruppe erheben, die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannt wird und praktisch unter japanischer Verwaltung steht.